Stoßwellentherapie – Anwendung Dauer Kosten

10. Juni 2019
StoßwellentherapieStoßwellentherapie für viele Behandlungen: Kosten und Erstattung durch Krankenkasse

Stoßwellen werden seit den achtziger Jahren für medizinische Therapien eingesetzt. Wurden die extrakorporalen Wellen vorerst bei der Zertrümmerung von Nierensteinen und Blasensteinen angewendet, werden diese seit 1989 auch für Behandlungen von Knochen und Gelenken eingesetzt.

Das nicht invasive Verfahren der Stoßwellentherapie kann für die Linderung verschiedener Krankheitssymptome angewendet werden. Erfahren Sie hier mehr über die Kosten und die Erstattung durch Krankenkassen und private Krankenversicherung.

Was sind Stosswellen und wir funktioniert die Therapie?

Bei der Stosswellentherapie werden durch ein Gerät akustische Impulse mit schnell ansteigendem Druck ausgesendet. Die sich strahlenförmig ausbereitenden Wellen verfügen über eine Frequenzbreite von 16 bis 20 Megahertz und einen Druck von bis zu 500 bar.

Die Schallwellen bestehen aus einem Druck- und einem Zuganteil. Durch den Druck wird das Gewebe der Umgebung zusammengedrückt. Die Energie der Stosswelle wird freigesetzt und bricht die Strukturgitter der Moleküle auf.

Der Zuganteil der Wellen übt nur einen geringen Druck aus. Gasblasen, die sich innerhalb von kalkhaltigen Strukturen ausdehnen, werden zerstört. Das Kalkgewebe wird instabil und zerfällt.

Welche Stosswellen werden unterschieden?

Die Schallwellen können abhängig von ihrem Einsatz mit unterschiedlichem Energiegehalt erzeugt werden. In der Stosswellentherapie werden folgende Wellen angewendet:

  1. hochenergetische Stosswellen – Die Schallwellen wirken mit hohem Druck innerhalb des Gewebes. Wegen der auftretenden starken Schmerzen muss die Behandlung in Narkose durchgeführt werden.
  2. niedrigenergetische Stosswellen – Die Behandlung kann auch ambulant durchgeführt werden. Vorher sollte ein Schmerzmittel, zum Beispiel ein nichtsteroidales Antiophlogistikum, eingenommen werden.
  3. Radiale Stosswellen – Die Druckimpulse der Schallwellen werden direkt auf das Gewebe übertragen. Je tiefer die Stosswelle eindringt, umso geringer wird ihre Stärke. Die radiale Stosswellentherapie ist vor allem für die Behandlung von oberflächlichen Geweben geeignet. Die Eindringtiefe beträgt ungefähr vier Zentimeter.
  4. Fokussierte Stosswellentherapie – Die Stosswellen werden auf einen bestimmten Punkt im Körper, die Fokuszone, gebündelt. Es können auch tiefere Schichten des Gewebes behandelt werden.

Wie werden Stosswellen erzeugt?

Um einen zielgerichteten Druckimpuls zu erzeugen, der über diverse Medien in das Körpergewebe geleitet wird, sind verschiedene Herstellungsverfahren anwendbar.

  1. Elektrohydraulisches Prinzip – Von einer unter Spannung stehenden Elektrode werden Funken ausgesendet, die Plasmablasen in der Flüssigkeit der Umgebung erzeugen. Das Medium wird zusammengepresst, Druckwellen entstehen. Die entstandenen Schallwellen werden durch einen Spiegel gebündelt und können auf einen genau festgelegten Punkt gerichtet werden.
  2. Elektromagnetisches Prinzip – Durch eine Flachspule werden in einer dünnen Kupferfolie Wirbelbildungen erzeugt. Die Kraft der Entladungen bewegt die Folie ruckartig. Eine Wassersäule leitet die entstandenen Druckimpulse, die durch eine akustische Linse zentriert werden, weiter.
  3. Ballistisches Prinzip – Ein Projektil wird in einer Röhre mit Pressluft beschleunigt. Die entstandene Energie wird über einen Aufsatz weitergeleitet und breitet sich strahlenförmig im Gewebe aus.
  4. Piezoelektrisches Prinzip – Piezokristalle werden in einer Schale unter Strom gesetzt. Die entstandenen Druckimpulse werden gebündelt.

Wie wirken Stosswellen?

Treffen die Stosswellen auf das Gewebe des Körpers, werden verschiedene biochemische Vorgänge in Gang gesetzt. Der mechanische Reiz führt zu einer Strukturveränderung der Körperzellen und der Mitochondrien.

Das zerstörte Gewebe wird durch die Aktivierung von Makrophagen (Freßzellen) über das Immunsystem abtransportiert. Die verstärkte Ausschüttung von Wachstumsfaktoren (Growth Faktor ß1 und VEGF) und mesenchymalen Stammzellen lässt die Mikroentzündungen schneller abheilen.

Stoßwellentherapie Krankenkasse

Eine Stosswellentherapie dauert 3 bis 5 Sitzungen und kostet zwischen 750 und 1500 Euro

Die Heilung erfolgt ohne die Bildung von kollagenem Narbengewebe. Durch eine Steigerung des Zellstoffwechsels werden verstärkt neue Blutgefäße gebildet. Das regenerierte Gewebe kann besser mit Sauerstoff versorgt werden. Stickoxid wird von den Zellen vermehrt freigesetzt, das Entstehen von Entzündungsprozessen wird unterdrückt.

Durch die Veränderung der Leitfähigkeit der Zellmembranen wird die Weiterleitung von Energie an die Nerven verhindert. Die Schmerzrezeptoren werden gehemmt. Durch die Aktivierung des Immunsystems wirken Stosswellen auch antibakteriell. Die Selbstheilung des Körpers wird angeregt.

In Kalkablagerungen werden durch den Druck der Stosswellen Blasen gebildet. Der Kalk wird brüchig und instabil. Er zerfällt in kleine Bruchstücke. Die nach der Behandlung vorhandenen kleinen Fragmente können durch Freßzellen vollständig aufgelöst und abtransportiert werden.

Bei welchen Erkrankungen wird die Stosswellentherapie eingesetzt?

Derzeit sind bereits mehrere Indikationen für die Anwendung der Stosswellentherapie fachlich anerkannt.

  1. Fersensporn – Fasciitis plantaris – Durch Überlastung des Fußgewölbes oder Übergewicht bilden sich Knochenspitzen, die eine Entzündung der Sehnenplatte verursachen. Jeder Schritt bereitet Schmerzen. Durch die Stosswellentherapie wird die Entzündung verringert, das Gewebe der Sehnenplatte regeneriert sich wieder. Zusätzliche Dehnungsübungen können den Behandlungserfolg noch verbessern. Die Zubildung der Knochenmasse wird nicht beeinflusst.
  2. Tennisellbogen Tennisarm – radiale Epicondylitis – Die Strecksehne des Unterarms ist durch übermäßige Belastungen entzündet. Jede Armbewegung ist schmerzhaft. Durch die Stosswellentherapie kann die Entzündung abheilen.
  3. Achillodynie – Die Achillessehne des Fußes ist verdickt und entzündet. Stellenweise sind Einrisse der Fasern erkennbar. Durch die Stosswellen wird die Heilung des Sehnengewebes beschleunigt, die Entzündung klingt ab.
  4. Verkalkung der Schultersehnen – Ist die Rotatorenmanschette des Schultergelenks durch Kalkablagerungen, Zugluft oder Überbeanspruchung entzündet, können die Schmerzen bei der Bewegung in den gesamten Arm ausstrahlen. Die Stosswellen helfen, den eingelagerten Kalk abzubauen und die Entzündungsreaktionen des Gewebes zu verringern.
  5. Adduktorensyndrom – Die Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels sind durch Überdehnung oder sonstige Überbelastung geschädigt. Die Schmerzen strahlen bis in die Leistengegend aus.
  6. Muskeleinrisse und erhöhte Muskelspannung – Durch zu starke Beanspruchung beim Training oder ungewohnte Bewegungen reissen Teile der Muskelfasern ein.
  7. frozen sholder – Das Schultergelenk ist durch eine Entzündung der Knochenanteile oder Gelenkskapsel entzündet. Der Arm kann nicht mehr über den Kopf gehoben werden.
  8. Tibiakantensyndrom – Nach sportlichen Übungen tritt im vorderen Bereich des Schienbeins eine erhöhte Schmerzempfindung auf. Die überdehnten Faszien und das Periost (Knochenhaut) sind entzündet.
  9. Zertrümmerung von Blasensteinen und Nierensteinen

Weitere Anwendungsgebiete der Stosswellentherapie

  1. Verletzung der peripheren Nerven
  2. Parodontitis und Schäden des Zahnhalteapparates
  3. starke Narbenbildung
  4. Zellulite
  5. schmerzhafte Arthrosen
  6. Förderung der Heilung nach Knochenbrüchen
  7. Entzündungen der Prostata

Bei diesen Erkrankungen muss die genaue Wirkung der Stosswellentherapie noch durch weitere Studien belegt werden.

Stosswellentherapie: Dauer der Anwendung

Meistens sind drei bis fünf Behandlungen im Abstand von zwei bis vier Wochen notwendig. Die Behandlung selbst dauert bis zu dreißig Minuten. Nach ambulanten Behandlungen kann die Ordination sofort verlassen werden.

Die Behandlungen mit hochfrequenten Stosswellen im Krankenhaus erfolgen unter Kurznarkose. Ein Aufenthalte über Nacht wird meistens empfohlen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Direkt nach der Behandlung mit Stosswellen können verstärkt Schmerzen auftreten, die für zwei bis drei Tage anhalten.

Wann darf keine Stosswellentherapie durchgeführt werden?

Sind im Behandlungsgebiet bösartige Tumoren vorhanden, oder liegt der Bereich direkt im Gebiet der Lunge, darf die Behandlung nicht durchgeführt werden.

Welche Kosten entstehen bei einer Stoßwellentherapie?

Die Kosten für eine Stoßwellentherapie liegen pro Sitzung zwischen 80 und 500 Euro, abhängig von der Größe des Behandlungsfeldes und der Dauer der Therapie. Ebenso maßgeblich ist der Abrechnungssatz des behandelnden Arztes nach der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte).

Mit dem 1-fachen Satz abrechnet liegen die Kosten am unteren Ende, bei einem Satz des 2,3-fachen der GOÄ oder mehr liegen die Preise entsprechend höher.

Eine Behandlung dauert in der Regel fünf bis zehn Minuten bei 2 bis 6 Behandlungen insgesamt. Somit liegt die günstigste ESWT Behandlung mit kürzester Dauer bei 160 Euro. Die teuerste und langwierigste Therapie kann bis zu 3000 Euro kosten.

Werden die Kosten der Stoßwellentherapie von den Krankenkassen (PKV) übernommen?

Die Stoßwellentheprapie ebenso wie die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Folglich müssen die gesetzlichen Krankenversicherungen keine Kosten für die Behandlung übernehmen. Einige wenige Krankenkassen sichern die Kostenerstattung bei bestimmten Indikationen (Kalkablagerungen in der Schulter, Fersensporn) zu.

Die großen gesetzlichen Kassen wie die AOK, Techniker TK, Barmer, DAK übernehmen lediglich für die Diagnose Fersenschmerz bei Fasciitis plantaris.

Gebietskrankenkassen übernehmen die Behandlungskosten, wenn überhaupt, nur in Verbindung mit einem Aufenthalt in einem orthopädischen Krankenhaus oder entsprechender Klinik.

Kostenerstattung durch Private Krankenversicherung für ESWT

Private Krankenversicherungen (PKV) übernehmen die Kosten in den meisten Fällen, je nach PKV Tarif in unterschiedlicher Höhe. Für Beamte und Beamtenanwärter übernimmt die Beihilfe die Kosten für ESWT bei Indikationen wie Kalkschulter oder Pseudoarthrose.

Bei PKV Tarifen mit geringen Leistungen sollte geprüft werden, ob die ESWT Behandlung abgedeckt ist. Oft sind diese günstigen privaten Tarife im Leistungsumfang mit den GKVen vergleichbar.


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