Putenfleisch bei Discountern oft mit MRSA-Keimen

12. Januar 2015
Ernährung, PutenfleischErnährung

Der BUND hat bei Stichproben in Discounter-Märkten bei 88 Prozent des dort verkauften Putenfleisches antibiotika-resistente Keime gefunden.

Antibiotika in rund 90 Prozent der Putenmast verwendet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat umfangreiche Stichproben von Putenfleisch bei Discountern genommen und in 88 Prozent aller Proben antibiotika-resistente Keime gefunden.

Die Proben wurden erworben von Lidl ebenso wie von Aldi, Netto, Real und Penny. Gekauft wurden die Proben in Hamburg, Berlin, Dresden, Hannover, Leipzig, Göttingen, Nürnberg, Frankfurt, München, Köln, Stuttgart und Mannheim. Die Proben umfassten sowohl MRSA-Keime wie auch ESBL-bildende Krankheitserreger. Insgesamt nahmen die Tester 60 Proben.

Als Grund für den hohen Anteil der antibiotika-resistenten Keime wird die Tatsache verstanden, dass in über 90 Prozent aller gezüchteten Puten während der Mast Antibiotika verwendet werden. Hierdurch besteht die Möglichkeit, dass antibiotika-resistente Keime sich in dem Putenfleisch ansammeln. Dieses Problem betrifft jedoch nicht ausschließlich die Putenmast-Tierhaltung, sondern auch die übrige Fleischindustrie.

Jährlich sterben 40.000 Personen in Deutschland an MRSA-Keimen

Das größte Risiko liegt darin, dass die mögliche Antibiotikaresistenz vom Fleisch in den menschlichen Körper übertragen wird. Dies wiederum birgt die Gefahr, dass im menschlichen Körper Antibiotika zunehmend nicht mehr gegen bakterielle Infektionen helfen.

Nicht nur die Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) sondern auch die Extended Spectrum Beta-Lactamase-bildende Keime (ESBL-Darmkeime) ermöglichen es insbesondere bei Infekten anfälligen Personen nur schwerlich eine Behandlung mit Antibiotika zuzulassen.

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sterben in Deutschland rund 40.000 Personen jährlich, weil die Antibiotika nicht mehr richtig wirken. Weil bei der Putenmast ebenso wie in der übrigen Fleischindustrie der Preis eine immer größere Rolle spielt, gilt zunehmend das Motto Quantität statt Qualität.

BUND fordert Änderung des Tierschutz-und Arzneimittelgesetzes

Um möglichst viel Fleisch im Preiskampf mit der Konkurrenz zum günstigen Preis anbieten zu können, werden immer mehr Mengen an Antibiotika in der Tiermast eingesetzt. Dies sagt der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes fordert von Bundesagrarminister Christian Schmidt, dass dieser verbindliche Maßnahmen einleitet, um den Antibiotikaeinsatz in der Tiermast zu reduzieren beziehungsweise Reserveantibiotika vollständig bei der Fleischproduktion zu verbieten.

Die Agrarexpertin des BUND, Reinhild Benning, weist darauf hin, dass keiner der Lieferanten von Putenfleisch in der Lage war, nicht mit antibiotika-resistenten Keimen belastete Ware anzubieten. Dabei ist bemerkenswert, dass alle Zuliefererbetriebe beziehungsweise Putenzerlegebetriebe, die an die Discounter geliefert haben, dem Qualitätssicherungssystem QS angegliedert sind.

Dennoch gab es keine Probe, die nicht mit antibiotika-resistenten Keimen belastet war. Der BUND fordert nun massive Änderungen im Arzneimittelrecht sowie im Tierschutzrecht, damit sich derartige Befunde zukünftig nicht wiederholen.

Fast alle Proben der großen Putenhersteller mit MRSA-Keimen belastet

Von 21 untersuchten Proben des größten in Deutschland ansässigen Geflügelfleischkonzerns (PHW-Gruppe) waren 20 Proben mit antibiotika-resistenten Keimen belastet. Von 21 Proben des Unternehmens Heidemark waren 19 Proben belastet. Von sechs Proben des Unternehmens Sprehe waren fünf Proben belastet.

Der BUND fordert insbesondere, dass Reserveantibiotika, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden, zukünftig in der Tiermast verboten werden müssten. Hierzu bedarf es nach Angaben des Naturschutzbundes eine Novelle des Arzneimittelgesetzes. Der BUND verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf Dänemark, Frankreich und die Niederlande, wo eine Verbannung in der industriellen Tiermast bereits nahezu umgesetzt wurde.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland sieht indes in Deutschland die Lobby der Fleischindustrie als Störfaktor im Hinblick auf den Gesundheitsschutz der allgemeinen Bevölkerung.

In den USA sind in rund 50 Prozent aller stationären Fälle MRSA-Keime vorhanden

Besonders im Hinblick auf den allgemeinen Gesundheitsschutz kann die zunehmende Antibiotikaresistenz ein sehr großes Problem darstellen. Während in Deutschland das Problem im Verhältnis zu den USA noch relativ klein ist, befinden sich MRSA-Keime bei rund 50 Prozent aller aufgenommenen stationären Krankheitsfälle.

Als einer der Gründe wird unter anderem auch in den USA die Tiermast beschrieben. Als Fazit lässt sich festhalten, dass nach Möglichkeit auf Putenfleisch sowie auf aus industrieller Fertigung stammendes Fleisch verzichtet werden sollte. Stattdessen sollte auf Biofleisch ausgewichen werden. Im Hinblick auf die eigene Gesundheit rechnet sich dann auch der etwas teurere Kaufpreis. Dies gilt insbesondere für Familien mit Kindern.

In der heimischen Küche sollte Fleisch vom Discounter deshalb zukünftig ausgewiesenes Biofleisch auf den Tisch kommen. In vielerlei Hinsicht zeigt sich anhand der mit antibiotika-resistenten Keimen versetzten Proben im Putenfleisch beim Discounter, dass oftmals das eigene Budget über die gesunde Lebensweise mitbestimmt. Wer es sich leisten kann, kauft bereits jetzt gutes und unbelastetes Biofleisch, während sozial schwache Personen auf das antibiotika-resistente Putenfleisch aus dem Discounter angewiesen sind.

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