Mit Tabakpflanze gegen HIV

6. März 2014
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Tabakpflanze – hört man allein den Namen dieses Gewächs, kommen schon negative Assoziationen auf: Rauchen, Nikotin oder Lungenkrebs. Doch vielleicht kann genau diese Pflanze die Lösung im Kampf gegen AIDS sein!

Was beim ersten Eindruck wie ein Widerspruch klingen mag, stellt sich bei näherer Auseinandersetzung mit dem Thema als wahre Chance für die Gesundheit der Weltbevölkerung dar: Möglicherweise kann die Tabakpflanze vor HIV schützen.

„Pflanze als Bio-Fabrik“

An sich enthält die Pflanze keine heilenden Wirkstoffe, doch sie liefert optimale Bedingungen um in ihr die nötigen Wirkstoffe im Kampf gegen HIV zu kultivieren. Und das schnell und kosteneffizient. Das Aachener Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie ist seit über 15 Jahren darauf spezialisiert zu erforschen, wie man mit Hilfe von Pflanzen Medikamente gewinnt. „Die Pflanze ist für uns die Bio-Fabrik, die einen medizinischen Wirkstoff, ein Protein herstellt“, sagt Professor Stefan Schillberg gegenüber der ARD.

Wirkstoff zum Schutz vor HIV

So forschen die Wissenschaftler fleißig seit vielen Jahren – unter anderem auch mit Hilfe der Tabakpflanze. Eins ihrer wichtigsten Forschungsgebiete ist derzeit die Kultivierung eines Antikörpers gegen den AIDS auslösenden HI-Virus. Der Antikörper wirkt präventiv wirken und schützt die Menschen vor einer Ansteckung. Aber wie bekommt man eine Pflanze dazu, solche Wirkstoffe zu produzieren?

Menschliche DNA in der Tabakpflanze

Von allein produziert die Tabakpflanze die Antikörper nicht. Aber sie eignet sich hervorragend als Transfer- und Produktionsstätte. Die eigentliche Information für den Wirkstoff stammt aus menschlichem Erbgut. DNA- Abschnitte, die für HIV-Antikörper kodieren, werden isoliert und in die Tabakpflanze eingebaut. Diese kann daraufhin den Wirkstoff in großen Mengen vervielfältigen.

Antikörper markiert Virus

Der HI-Virus trägt auf seiner Oberfläche bestimmte Strukturen, die als Antigene bezeichnet werden. Der aus der Tabakpflanze gewonnene Antikörper ist in der Lage an diese Strukturen zu binden und sie somit angreifbar für das Immunsystem zu machen. Dieses besitzt spezifische Zellen, die den markierten Virus zerstören.

Produktion mit Tabakpflanze hat viele Vorteile

Es war  bereits sogar schon möglich Antikörper zur Vorbeugung gegen AIDS zu produzieren- doch nur, mit Hilfe von tierischen Zellkulturen. Un das Verfahren ist teuer und kostet viel Zeit. Molekularbiologe Schilling erklärt: “Wir können den Tabak sehr gut im Gewächshaus anbauen, auch auf großer Fläche. Die Vergrößerung des Maßstabes ist sehr einfach, die Kultivierung ist relativ preiswert und wir können die Proteine sehr schnell produzieren. Und es gibt Medikamente, die braucht man sehr schnell. Denken Sie an Impfstoffe. Das können wir in relativ kurzer Zeit kostengünstig produzieren.“

Besonders bei Infektionskrankheiten wie AIDS stellt das preiswerte und schnelle Produktionsverfahren durch die Tabakpflanze eine große Hoffnung  dar. Vor allem für ärmeren Regionen wie Subsahara Afrika, wo ein Großteil der Bevölkerung bereits mit dem HI-Virus infiziert ist. 2007 lebten 67 Prozent aller Menschen in der Region mit dem tödlichen Virus.

Erste klinische Studien erfolgreich

Bevor der Antikörper als zugelassenes Medikament auf den Markt kommt, müssen noch klinische Studien durchgeführt werden. Erste Versuche aus Großbritannien zeigen Erfolg. Hier wurde Patienten der Wirkstoff in Form eines Vaginal-Gels verabreicht. Stefan Schillberg: „Die Ergebnisse sind positiv, es wurden keine negativen Effekte wie zum Beispiel Hautreizungen festgestellt. Und der nächste Schritt wäre dann, das Gel an Patienten zu testen, um festzustellen, ob dieses Gel mit dem Antikörper die Ausbreitung von HIV unterbindet.“ Sollte auch diese Studie erfolgreich sein, wäre ein wahrer Durchbruch für die Medizin geschaffen, der Millionen Menschenleben retten könnte.

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Kommentare zu »Mit Tabakpflanze gegen HIV«

  1. […] nehmen, wird hierzulande zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ausnahme stellt der Passivkonsum von Tabak dar, der in den letzten Jahren Kern vieler hitziger Diskussionen war und ein Rauchverbot in den […]

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