Antibiotika Resistenz: Kastanie als wirksame Alternative

25. August 2015
Antibiotika Resistenz - Kastanie hilftKastanie kann Antibiotikum ersetzen

Gegen immer mehr Krankheiten sind resistente Bakterien im Umlauf. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass immer mehr Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen. Wissenschaftler forschen deshalb mit Nachdruck nach Alternativen im Kampf gegen multiresistente Keime. Eine wissenschaftliche Studie hat nun ergeben, dass ein aus den Blättern der Edelkastanie gewonnener Wirkstoffextrakt eine ähnliche antibakterielle Wirkung besitzt wie Antibiotika, dieser aber auch gegen die gefürchteten multiresistenten Keime wie Staphylococcus aureus eine Wirkung zeigt.

Wirkstoff aus Kastanienblättern hilft gegen MRSA-Keimen

Nach Angabe von US-Forschern soll aus den Blättern der Esskastanie (Castanea sativa) ein Wirkstoff extrahiert werden können, der in der Lage ist, multiresistente Keime zu bekämpfen. Eine Wirkung soll sich sogar gegen den besonders aggressiven MRSA-Stamm gezeigt haben. Experimente mit dem Wirkstoff zeigten demnach, dass bereits 50 Mikrogramm des extrahierten Wirkstoffs reichten, um eine mit MRSA-Bakterien besiedelte Wunde bei Mäusen vollständig zu heilen. Die Forscher um Cassandra Quave von der Emory University in Atlanta konnten mit einem aus der Esskastanie gewonnen Extrakt nicht nur aggressive MRSA-Stämme bekämpfen, sondern zugleich auch der Entstehung von Resistenzen gegen den Wirkstoff vorbeugen.

Inhaltsstoff gehört zur Gruppe der Saponine

Die Studienergebnisse wurden im renommierten Fachjournal “PLOS One“ veröffentlicht. Der Wirkstoffextrakt besteht insgesamt aus 94 unterschiedlichen Inhaltsstoffen. Der Großteil der Inhaltsstoffe besteht dabei aus Bestandteilen auf Basis von Oleananen und Ursanen. Beide Bestandteile zählen zu den Saponinen. Saponine werden von Pflanzen hauptsächlich zur Feindabwehr produziert und dienen der Bekämpfung gegen Insekten-oder Pilzbefall.

Stapholycoccus aureus kann kein Toxin mehr bilden

In der Forschungsstudie war es Quave und ihrem Wissenschaftskollegen Alexander Horswill von der University of Iowa gelungen, zu belegen, dass der gewonnene Extrakt Bakterien des Typus Staphylococcus aureus die Möglichkeit nimmt, mit anderen Bakterien derselben Art zu kommunizieren. Um Toxine produzieren zu können, ist diese Form der Kommunikation aber notwendig. Aufgrund der fehlenden Kommunikation wurde die Toxinproduktion vollständig blockiert. Die Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass der gewonnene Wirkstoff auch nach längerer Zeit weder seine Aktivität verlor noch gegen den Keim resistent wurde. Außerdem zeigten Tests, dass der Wirkstoff für die menschliche Haut nicht schädlich ist.

Menschen im Mittelmeerraum nutzen schon lange bei Hautleiden Tee aus Kastanienblätter

Die Wissenschaftler haben das Mittel bereits zum Patent angemeldet. Ziel der Forscher ist es, aus dem Extrakt ein Medikament herstellen zu können, dass als Arzneimittel von den Behörden anerkannt wird und Menschen bei Befall mit MRSA-Stämmen helfen kann. Die Wissenschaftler wurden auf den möglichen Wirkstoff in Kastanienblättern aufmerksam, als sie im Zuge längerer Recherchen Menschen, die im Mittelmeerraum lebten, nach bekannten Hausmitteln befragten. Dabei gaben insbesondere ältere Personen an, Blätter der Edelkastanie zur Teezubereitung zu verwenden, wenn Wunden der Haut aufgetreten sind oder Infektionen der Haut auftraten. Innerhalb kürzester Zeit besserte sich der Zustand der Betroffenen, so die Schilderung der älteren Menschen.

Schlüssel der Schulmedizin liegt in der Natur

Daraufhin untersuchten die Wissenschaftler die Inhaltsstoffe der Edelkastanienblätter und synthetisierten daraus den Wirkstoffextrakt. Insbesondere im Hinblick auf das Ansehen der Naturheilkunde dürfte die gewonnene Erkenntnis zumindest dem Teilbereich der Phytotherapie Auftrieb gegeben haben. Zeigt sich in den Laborstudien doch, dass in der Natur oftmals der Schlüssel zur Lösung gravierender medizinischer Probleme steckt. Was heute in den Bereich der Schulmedizin gehört, war einst in der Naturheilkunde behaftet.

Berühmte Beispiele sind das Herzmedikament Digitalis, welches ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen wurde und dessen Ursprung sich noch immer in dem Medikament Digimerck widerspiegelt. Als weiteres Beispiel dafür, dass ein Wirkstoff aus der Naturheilkunde letztlich im Zuge der Synthetisierung in die Schulmedizin übergeführt wurde, stellt das wohl bekannteste Medikament überhaupt dar. Gemeint ist der Wirkstoff, der in der Weidenrinde steckt und heute unter dem Namen Aspirin bekannt ist.

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