Wie viel Stevia ist gesund oder schädlich?

1. März 2015
Stevia süß und schmacklhaftStevia ist viel süßer als Zucker, ist es aber auch schädlich?

Stevia gilt als Zuckerersatz, der zwischen 200 und 300-mal süßer ist als normaler Zucker. Der Unterschied zu Zucker ist der, dass der aus der Steviaplanze gewonnene Extrakt nahezu keine Kalorien aufweist. Der aus der Pflanze mittels komplizierter Verfahren gewonnene Süßstoff ist das Stevioglykosid. Seit Dezember 2011 ist der Zuckerersatzstoff in der EU als Lebensmittelzusatzstoff amtlich zugelassen worden.

Was Stevia mit E 960 zu tun hat

Experten empfehlen dabei eine Höchstdosis von 10 mg Stevia pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Wenn in Milchprodukten, in Konfitüren oder in Getränken als Inhaltsstoff E 960 aufgeführt wird, handelt es sich um Stevioglykosid. Der Ursprung des Süßstoffs sind die Blätter der Steviapflanze.

Während zahlreiche Hersteller von Lebensmittelprodukten den biologischen Ursprung des Süßstoffs als Werbemittel nutzen und auf Ihrem Produkten mit einem Bild der Steviapflanze werben, warnen Experten vor dieser offensichtlichen Verbrauchertäuschung. Denn das Steviolglykosid wird mittels komplizierter chemischer und physikalischer Verfahren extrahiert und stellt somit keinen Ursprung dar, wie er in der Natur so vorhanden wäre.

Nur Steviolglykosid nicht aber Steviablätter von EU-Behörde  als Lebensmittel zugelassen

Zudem mischen viele Hersteller Stevia mit herkömmlichem Zucker. Dies geschieht deshalb, weil Stevia selbst zu wenig Volumen besitzt und aus diesem Grunde keinen vollständigen Ersatz für Zucker darstellt. Während das Steviolglykosid künstlich gewonnen wird, stellen die Blätter der Steviapflanze tatsächlich einen natürlichen Süßstoff dar. Dieser ist etwa 20-30-mal süßer als herkömmlicher Zucker. Die Blätter der Steviapflanze sind aber anders als das Steviolglykosid in der Europäischen Gemeinschaft nicht im Sinne eines Lebensmittels zugelassen.

Nicht nur süßer als Zucker schmeckt die Pflanze, sondern sie besitzt auch heilende Kräfte. So senkt sie beispielsweise trotz ihres süßen Geschmacks den Blutzuckerspiegel. Wissenschaftliche Studien hierzu sind jedoch hinsichtlich der erbrachten Ergebnisse oftmals widersprüchlich. Deshalb lassen sich hierzu keine detaillierten wissenschaftlich fundierten Aussagen treffen.

Stevia-Tee wird von Experten als bedenklich bezeichnet

Einige Anhänger der Steviapflanze nutzen die Blätter auch zum Aufguss eines Tees. In diesem Zusammenhang warnt Professor Hermann von Lilienfeld-Toal vom Deutschen Diabetiker Bund Hessen vor einer derartigen Praxis.

Dies gilt insbesondere deshalb, weil beim Aufguss eines Tees zahlreiche bislang nicht erforschte Inhaltsstoffe gelöst werden. Stattdessen soll die zugelassene Variante des Steviolglykosids verwendet werden. Auch wenn der Inhaltsstoff als Lösungsmittel in der Europäischen Gemeinschaft zugelassen wurde, gibt es bisher keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, inwieweit eine ständige zu hohe Dosis Auswirkungen auf die Gesundheit haben könnte. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass es nicht nur keine Studien dazu gab, sondern dass die Europäische Gemeinschaft bei der Zulassung des Produkts diese offenbar auch nicht als Voraussetzung zur Zulassung verlangt hatte.

Ist Stevia schädlich?

Einige Experten sprechen davon, dass Stevia möglicherweise krebserregend ist oder die Fruchtbarkeit schädigen könne. Nach Angaben des ausgewiesenen Stevia-Experten und Agrarwissenschaftler Kienle wurden dementsprechende Behauptungen durch Studien herbeigeführt, die methodisch nicht korrekt durchgeführt wurden. Andere Experten indes sehen dies anders. Die EU-Behörden und hier insbesondere die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben indes Studien durchgeführt, dass die Inhaltsstoffe der Blätter weder krebserregend noch erbgutschädigend sind.

Zudem hat nach Studien der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde der Inhaltsstoff auch keine negative Wirkung auf die Fruchtbarkeit oder das ungeborene Kind. Ursprünglich wächst die Stevia-Pflanze (botanisch Stevia rebaudiana) in den Bergregionen von Paraguay und Brasilien. Bereits seit Jahrhunderten nutzen die Ureinwohner Südamerikas die Pflanze nicht nur zur Zubereitung von Speisen, sondern auch in der Heilkunde. Während Zucker den Zahnschmelz angreift, verhindert die Stevia-Pflanze die Bildung von Zahnbelag.

Insofern lässt sich der Inhaltsstoff auch zur Zahnpflege nutzen. Dies kann beispielsweise nutzbringend in Kaugummis angewandt werden, die mit Steviolgykosid versetzt sind. Zuvor stellte bereits im Jahr 2009 der UN-Ausschuss Joint Expert Committee on Food Additives (JECFA) fest, dass der Inhaltsstoff der Stevia-Pflanze als gesundheitlich unbedenklich einzustufen sei.

Fazit: Steviolglykosid mit Vorsicht genießen

Ist Stevia deshalb gesundheitlich völlig unbedenklich oder nicht? Als Fazit lässt sich festhalten, dass die natürliche Form des Süßungsmittels als gesundheitlich nahezu unbedenklich zu bezeichnen ist. Lediglich der Aufguss als Tee ist aufgrund der Freisetzung zahlreicher weiterer pflanzlicher Inhaltsstoffe als fragwürdig einzustufen. Die Blätter indes können ohne Gefahr nach Maßgabe der der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gemäß den Empfehlungen hinsichtlich der täglichen Höchstdosis zu sich genommen werden.

Vorsichtiger sollte man hingegen mit der Verwendung des künstlich hergestellten Steviolglykosids verfahren. Auch wenn hier die gesundheitliche Unbedenklichkeit attestiert wurde, fehlen diesbezügliche Studien. Dies gilt insbesondere mit Hinblick auf langfristige Auswirkungen des künstlich gewonnenen Süßungsmittels. Wenn auf Lebensmitteln der Hinweis prangt: Inhaltsstoff “E 960“, dann handelt es sich um Steviolglykosid.

Beim Kauf entsprechender Produkte sollte deshalb auf diese Kennzeichnung geachtet werden. Zumindest sollte der Umgang mit der künstlich hergestellten Form von Stevia verantwortungsbewusst vorgenommen werden. Dennoch lässt sich grundsätzlich sagen, dass sowohl die künstlich hergestellte Form von Stevia wie auch die natürliche Variante zum gegenwärtigen Zeitpunkt als gesundheitlich unbedenklich zu bezeichnen sind.

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