Osteopathie bei Bandscheibenvorfall sinnvoll und hilfreich oder nicht?

24. Februar 2015
Osteopathie als alternativer TherapieansatzOsteopathie als Therapie bei Bandscheibenvorfall

Osteopathie gilt als besonders sanfte Heilmethode. Das Ziel dieser Therapieform ist es, die Ursache der Beschwerden durch die Anwendung möglichst sanfter Behandlungsmethoden positiv zu beeinflussen und im Idealfall gänzlich zu beseitigen. Insbesondere soll durch die Osteopathie der Körper in die Lage versetzt werden, Blockaden zu lösen und die Körperenergien wieder in ein positives Gleichgewicht zu bringen. Die Osteopathie ist damit als ganzheitlicher Therapieansatz zu verstehen. Kann diese Therapieform aber auch bei Rückenschmerzen und insbesondere bei einem Bandscheibenvorfall helfen?

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall?

Durch berufliche Belastung infolge körperlicher Fehlhaltung sowie durch eine Arbeitsweise, die gekennzeichnet ist durch ständige einseitige Belastung des Rückens entstehen vielfach Probleme wie ein Beckenschiefstand oder eine Skoliose. Durch muskuläre bedingte Verspannungen und dadurch bedingte Fehlhaltungen kann es im weiteren Verlauf zu Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat kommen. Rückenschmerzen allgemein können entweder durch eine Abnutzung der Gelenke wie beispielsweise des Kniegelenks entstehen, aber auch durch Entzündungen und Abnutzung des Wirbelkörpers. Dadurch bedingt kann es zu Schäden an den wie ein Stoßdämpfer wirkenden Bandscheiben kommen.

Letztlich können aber auch andere Ursachen wie ein Verkehrsunfall oder eine Verletzung, bedingt durch einen Sturz, zu Rückenbeschwerden führen. Der klassische Bandscheibenvorfall beziehungsweise die Bandscheibenvorwölbung verursachen nicht nur starke Schmerzen, sondern können im weiteren Verlauf auch eine dauerhafte Berufsunfähigkeit nach sich ziehen.

Osteopathie als ganzheitlicher Therapieansatz

Die Osteopathie kann hierbei Abhilfe schaffen. Der Osteopath versucht zunächst durch ein ausführliches Anamnesegespräch die Ursachen für die Beschwerden herauszufinden. Dabei untersucht er vor allen Dingen unterschiedliche Bewegungsmuster und eruiert damit die Funktionalität der Wirbelsäule an sich und die sie umgebenden Muskeln. Gleichsam wendet der Osteopath aber auch Vorbefunde wie beispielsweise MRT-Bilder des Radiologen oder herkömmliche Röntgenbilder im Rahmen der Anamnese und die damit verbundene Ursachenforschung (Diagnostik) an.

Auch die Anspannung des Gewebes sowie bestimmte schmerzhafte Trigger-Punkte im Bereich der Muskulatur können dem Osteopathen wichtige Hinweise im Hinblick auf eine darauf aufbauende ganzheitliche Therapie bieten. Die individuelle Therapie bemisst sich dabei anhand der individuellen Krankheitsbefunde. Aufgrund des ganzheitlichen Ansatzes bedarf es jedoch nicht einer symptomatischen Beseitigung der Schmerzen, sondern der vollständigen Krankheitsursachen. Das bedeutet mitunter, dass nach einer erfolgreichen Osteopathiebehandlung die eigentliche Therapie vom Patienten selbst weitergeführt werden muss. So kann beispielsweise eine Veränderung des Lebensstils gleichsam in das osteopathische Therapiekonzept mit eingebunden werden.

Vater der Osteopathie: Andrew Taylor Still

Die Schulmedizin wendet in erster Linie Analgetika (Schmerzmedikamente) zur Symptombehandlung an. Der ganzheitliche Ansatz des Osteopathen fußt indes darauf, nicht die Symptome der Erkrankung zu behandeln, sondern die Ursachen. Die Osteopathie beruht auf den Grundlagen von Andrew Taylor Still. Grundlage hierbei ist nicht wie in der Schulmedizin ein naturwissenschaftliches Verständnis der Erkrankung, sondern ein philosophischer Theorieansatz.

Die vier Grundprinzipien der Osteopathie

Einer der Grundlagen der Osteopathie-Theorie ist es, dass der Körper als funktionelle Einheit verstanden wird, der grundsätzlich dazu ist in der Lage ist, sich selbst zu regulieren. Durch Förderung der Selbstheilungskräfte ist es nach dem Selbstverständnis der Osteopathie möglich, Krankheiten ohne schulmedizinische Behandlung erfolgreich zu heilen. Nach der Theorie von Taylor Still beruht die Osteopathie auf vier Grundannahmen.

So ist die Arterie für den Körper essenziell. Der gesamte Körper stellt eine Funktionseinheit dar und die Funktion des Körpers bestimmt die Körperstruktur und die Körperstruktur bestimmt letztlich die Funktion.

Zudem besitzt der Körper die Fähigkeit zur Selbstregulation. Die Grundtheorie der Osteopathie ist es demnach, durch die Behandlung des Bewegungsapparates gleichsam Störungen auch an inneren Organen heilen zu können.

Drei Behandlungspfeiler

Grundsätzlich wird die Osteopathie in drei Grundbereiche eingeteilt. Bei der parietalen Osteopathie werden insbesondere die Muskulatur und das Bindegewebe sowie die Gelenke behandelt. Die viszerale Osteopathie hat sich zum Ziel gesetzt, die inneren Organe sowie deren Bindegewebe-Aufhängung im Körper positiv zu beeinflussen. Die so genannte cranio-sakrale Osteopathie indes will die inhärenten „Rhythmen“ des Organismus positiv beeinflussen.

Die Therapie und die Erhebung des Krankheitsbefundes erfolgen durch den Osteopathen rein palpatorisch, also durch ertasten. Die Cranio-Sakral-Therapie ist in erster Linie durch bestimmte Handgrifftechniken in im Bereich des Schädels und Kreuzbeins gekennzeichnet. Hierdurch sollen die dem Körper innewohnenden “Rhythmen“ in einen harmonischen Gleichklang gebracht werden.

Techniken der Osteopathie

Unter anderem kommen bei der osteopathischen Behandlung folgende Techniken zur Anwendung: Faszien-Release- Technik, HVLA- Technik (durch kleine schnelle Bewegungen gekennzeichnet), Viszerale Techniken (soll die “Gleitfähigkeit der inneren Organe fördern), Cranio-Sakral-Techniken, Muskel-Energie-Techniken, Strain/Counterstrain-positional release, sowie das General Osteopathic Treatment.

Im deutschen Sprachgebrauch wird unter dem Begriff der Osteopathie in aller Regel die manuelle Medizin, sowie die Chiropraktik, die Manipulationstherapie und die osteopathische Medizin verstanden. Lediglich in den USA stellt die Osteopathie eine eigenständige Behandlungsmethode dar.

Wer heilt hat recht

Lohnt es sich mithilfe der Osteopathie einen Bandscheibenvorfall behandeln zu lassen? Grundsätzlich gilt der in der Medizin vorherrschende Satz: “wer heilt hat recht.“ Sollte durch eine osteopathische Behandlung das körperliche Befinden verbessert werden, so darf dies durchaus auf die angewandten manuellen Techniken zurückzuführen sein.

Insbesondere für die Behandlung von Rückenschmerzen gibt es Studien, die belegen, dass die osteopathische Behandlung den gleichen Erfolg bewirken kann wie die schulmedizinische Therapie. Ob jedoch bei jedem Patienten eine Besserung der Symptome eintritt und ob nicht bei einigen Patienten eine konservative schulmedizinische Behandlung mehr Erfolg bringen würde, hängt jeweils vom Einzelfall ab.

Während die Homöopathie bei zahlreichen Schulmedizinern als Scharlatanerie abgetan wird, gilt die Osteopathie in vielen Teilen auch im Bereich der Schulmedizin als respektierte (wenn auch nicht allenthalben etablierte) Heilmethode.

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Ein Kommentar zu diesem Artikel bisher »

Kommentare zu »Osteopathie bei Bandscheibenvorfall sinnvoll und hilfreich oder nicht?«

  1. Mir hat die Osteopathie nach meinem Bandscheibenvorfall geholfen. Vorher war ich bei Orthopäden, Neurologen und zur Krankengymnastik…ohne die geringste Besserung. Nach 6 Behandlungen beim Osteopathen ging es mir schon sehr viel besser. Insofern ja, wer heilt hat Recht!

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