Wie viel Rotwein ist gesund oder schädlich

18. Februar 2015
Alkohol und damit auch Rotwein ist schädlichIst Rotwein tatsächlich als gesund einzustufen?

“Ein Gläschen Rotwein in Ehren, kann niemand verwehren.“ Sätze wie diese hat sicherlich jeder schon einmal gehört. Experten streiten indes seit langem, ob Rotwein in Maßen genossen eher gesund oder doch auch bereits in kleinen Mengen als schädlich anzusehen ist.

WHO sieht Alkoholgenuss unter 20 Gramm pro Tag für Männer als nicht besonders schädlich an

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt der Genuss von weniger als 20 Gramm reinen Alkohols am Tag (dies entspricht etwa einem viertel Liter Wein oder einem halben Liter Bier) für Männer als gesundheitlich unbedenklich. Frauen indes können bereits Schäden davon tragen, wenn sie die Menge von unter 20 Gramm Alkohol am Tag trinken. Nach Angaben der WHO sollten Frauen höchstens die Hälfte dessen am Tag trinken, was ein Mann trinkt. Etwa 20 Prozent der Menschen in Deutschland trinken rund 60 Gramm Alkohol am Tag.

Dies entspricht über einer Flasche Wein pro Tag. Insbesondere die Tatsache, dass zu viel Alkohol im Körper in der Leber in Fett umgebaut wird und somit eine Leberzellveränderung verursacht, gilt als einer der Hauptrisikofaktoren im Hinblick auf den Alkoholgenuss. Wer jeden Tag ein Glas Wein trinkt hat bereits nach rund vier Wochen eine leichte Fettleber. Verzichtet derjenige dann für vier bis acht Wochen auf Alkohol, hat sich das Fett in der Leber wieder nahezu vollständig abgebaut.

Zu viel Alkohol und damit auch Rotwein kann Entstehung von Krebs begünstigen

Wer jedoch weiter trinkt, kann eine Leberzellschädigungen hervorrufen, die im schlimmsten Fall zu einer Leberzirrhose und damit zu einem Umbau von Leberzellen in Bindegewebe führen kann. Zudem werden durch Alkohol auch die Schleimhäute in der Mundhöhle sowie im Magen und in der Speiseröhre angegriffen. Übermäßiger Alkoholgenuss kann eine so genannte Refluxösophagitis verursachen. Dabei kommt es zu einer Reizung der Speiseröhre durch Magensäure, bedingt durch eine Erschlaffung des unteren Schließmuskels an der Speiseröhre hin zum Magen. Dies gilt für den Genuss von allen alkoholischen Getränken.

Darin eingeschlossen sind nicht nur Whisky, Schnaps oder Sherry, sondern auch Bier, Weißwein, Rotwein und Champagner sowie sämtliche weitere Alkoholsorten. Insbesondere die in diesen Alkoholsorten enthaltenen Säuren (Bernsteinsäure und Apfelsäure) sorgen für einen Anstieg der Magensäure und fördern dadurch ein Zwölffingerdarmgeschwür beziehungsweise ein Magengeschwür.

Wer jedoch Alkohol beispielsweise Rotwein wie in Frankreich oder Italien ausschließlich zum Essen trinkt, muss mit keinen Schäden des Magens beziehungsweise des Zwölffingerdarms rechnen, da das Essen die Säure abpuffert. Einige Experten gehen sogar davon aus, dass Alkohol in hohen Dosen genossen bei der Entstehung von Krebs förderlich ist.

Die Leber ist nämlich in der Lage Schadstoffe (darunter auch solche, die krebserregend wirken) abzubauen. Wer vermehrt Alkohol trinkt, reduziert die Fähigkeit der Leber Schadstoffe im Körper abzubauen. Dabei kann es zu einer Erhöhung der Konzentration von krebserregenden Stoffen im Blut kommen. Bereits drei Bier am Tag beziehungsweise eine Flasche Wein steigert das Risiko an Speiseröhrenkrebs oder Mundhöhlenkrebs zu erkranken um das dreizehnfache. Wer zusätzlich noch Zigaretten raucht, erhöht dieses Risiko um ein Vielfaches, nämlich um das vierzigfache.

Mittlerweile hat sich auch die Justiz darauf verständigt, dass auch der als gesund angepriesene Wein alles andere als gesund ist. So gibt es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), der es Winzern aus der Pfalz verbietet mit “ bekömmlichem Wein“ zu werben. Dies gilt deshalb, weil nach Angaben des EuGH ab einem Alkoholgehalt von 1,2 Volumenprozent nicht mehr von gesundheitsfördernden Aussagen gesprochen werden darf.

Studien aus Frankreich attestieren Rotwein eine gesundheitsfördernde Wirkung

Es gibt jedoch auch Studien aus Frankreich, die besagen, dass Menschen in Frankreich, die sich kalorienreich und fettig ernähren und zusätzlich auch noch rauchen weniger Herzinfarkte erleiden als Menschen in anderen Industrieländern. Die Wissenschaftler sehen als Ursache für dieses Paradoxum die Tatsache an, dass die Franzosen insbesondere zum Essen täglich ein Glas Rotwein zu sich nehmen würden.

Weitere Studien stützen diese These dadurch, dass die im Wein enthaltenen Polyphenole und hier insbesondere das Resveratrol eine positive Wirkung auf die Blutfettwerte ausüben. Arteriosklerose und das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, können durch diesen Inhaltsstoff deutlich gesenkt werden.

Positive Wirkung von Resveratrol nur in vitro belegt

Die Forschungsergebnisse lassen sich jedoch nicht 1:1 auf den Genuss von Rotwein übertragen. Denn die positive Wirkung des Resveratrols ist nur in Bezug auf einzelne Zellen (im Reagenzglas, also in vitro) erforscht worden. Im menschlichen Körper konnte eine positive Wirkung indes bis zum heutigen Tage nicht nachgewiesen werden. Weil beim Rotwein im Gegensatz zu Weißwein die gesamte Traube benutzt wird, sind die insbesondere in der Schale vorhandenen Polyphenole im Rotwein enthalten.

Im Rahmen des europäischen Kardiologiekongresses im Jahr 2008 konnte nach einer Übersichtsstudie mit über 200.000 Teilnehmern offenbar eine Tendenz dafür gefunden werden, dass ein maßvoller Weinkonsum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 30 Prozent reduzieren kann. Weil jedoch Weintrinker in aller Regel der gehobenen Gesellschaftsschicht angehören und sich grundlegend gesünder ernähren, kann das Ergebnis der Studie letztlich auch schlicht und ergreifend eine soziologische Erhebung widerspiegeln.

Fazit

Es lässt sich also als Fazit festhalten, dass Rotwein nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft in Maßen genossen (ein Glas Rotwein zum Essen) als tolerable Menge gemäß der WHO-Richtlinie anzusehen ist. Ob er gesund ist oder nicht, ist bisher wissenschaftlich nicht bewiesen. Grundsätzlich gilt jedoch, dass insbesondere für Schwangere, Kinder und Jugendliche sowie für stillende Frauen Alkohol tabu sein sollte.

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