Schlaganfall – Ärzte feiern Durchbruch in der Therapie des Apoplex

13. Februar 2015
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Bei der Therapie des Schlaganfalls (Mediziner sprechen auch vom Apoplex beziehungsweise von Apoplexia cerebri) haben neue Studien hinsichtlich der so genannten interventionellen Methode der mechanischen Rekanalisierung von verschlossenen Hirngefäßen einen deutlichen Durchbruch gebracht.

Schlaganfall: Rasche Einlieferung in die Klinik auch bei neuer Therapie notwendig

Damit die neue Therapie jedoch optimal wirken kann, ist es notwendig, dass Patienten mit einem akuten Apoplex umgehend in die nächste Klinik eingeliefert werden. Insbesondere auf der International Stroke Conference (ISC) in Nashville, USA,  zeigen die präsentierten Ergebnisse neuer Studien, dass die Therapie mit dem Verfahren sehr erfolgversprechend ist. Demnach belegt die Studie, dass die katheterbasierte Thrombektomie bei Patienten mit einem proximalen hirnarteriellen Verschluss zusätzlich zur Thrombolyse die nach einem Apoplex häufig auftretenden neurologischen Ausfälle und damit verbundene Handicaps verringern.

Stent-Retriever wirken wie Fischernetz

Zudem reduziert sich unter der Therapie die Sterberate bei einem Schlaganfall deutlich. Mithilfe so genannter Stent-Retriever werden Verschlüsse von großen intrakraniellen Arterien beseitigt. Durch das Zurückziehen des Retrievers werden dabei verstopfte Gerinsel wie mit einem Fischernetz regelrecht eingefangen. Mithilfe einer herkömmlichen systematischen Thrombolyse lassen sich die Thromben hingegen nur sehr schwer auflösen.

Studien aus dem Jahr 2013 zweifeln Erfolg der kathetergestützten Thrombektomie an

Entgegen dreier im Jahr 2013 publizierten Studien zeigen sich deutliche Erfolge bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten mit der neuen Methode. In den Studien SYNTHESIS, IMS III sowie MR RESCUE aus dem Jahr 2013 wurde bei der mechanischen Thrombektomie kein Rückgang der Mortalität festgestellt und auch der Anteil der bleidenden Störungen konnte demnach nicht reduziert werden. Die Studien zeigten sogar auf, dass die Sterberate bei Patienten die mit einer katheterinduzierten Thrombektomie behandelt wurden, tendenziell sogar über denen lag, die nicht mit dieser Methode behandelt wurden.

MR CLEAN-Studie rehabilitiert Behandlungsmethode

Die so genannte MR CLEAN-Studie indes widerlegt nun die drei vorherigen Studien. An der MR CLEAN-Studie nahmen insgesamt 500 Probanden mit einem schweren ischämischen Apoplex sowie einem daraus resultierenden Thrombus im proximalem Hirnarteriensegment teil. Nahezu alle Patienten erhielten eine rt-PA-Lyse. Bei ca. 50 Prozent wurde innerhalb der ersten sechs Stunden zudem die Rekanalisierung mittels Katheter unternommen. Anders als in den vorherigen Studien wurde in der MR Clean-Studie vorwiegend die neueste Generation der Stent-Retriever verwendet. Die Studie ergab, dass der Anteil derjenigen Probanden, die eine kathetergestützte Thrombektomie erhielten und nach der Therapie ohne Hilfe ihren Alltag selbstständig bewältigen konnten, signifikant höher war als in der Vergleichsgruppe der Patienten, die allein mit einer Thrombolyse behandelt wurden. Die genauen Ergebnisse lauten hierbei 33:19 Prozent.

Drei weitere Studien belegen Erfolg bei Behandlung von Apoplex

Nachdem nun auf der ISC in Nashville die allerneuesten Studien, nämlich die EXTEND-IA, die ESCAPE-Studie und die SWIFT-PRIME-Studie präsentiert wurde, zeigt sich, dass die Ergebnisse dieser Studien teilweise noch deutlich höher ausfallen als in der MR CLEAN-Studie. Auch wenn die Mediziner angesichts der neuesten Studienergebnisse hinsichtlich der besseren Behandlungsmethoden des Apoplex applaudieren, kommt die mechanische Rekanalisierung jedoch als Akuttherapie lediglich bei einer Minderheit der Apoplex-Patienten zum Zuge. Lediglich Patienten, die nach einem ischämischen Apoplex einen Thrombus in den proximalen großen Hirnarterien aufweisen und innerhalb des für eine Lyse-Therapie notwendigen Zeitfensters in eine Klinik gelangen, ist die mechanische Rekanalisation das Mittel der Wahl. Zudem muss durch ein bildgebendes Verfahren (CT, MRT) die irreversible Schädigung nur gering ausgeprägt sein und mögliches noch reversibles ischämisches Gewebe vorhanden sein. Mediziner schätzen die Zahl, der Patienten bei der die Therapie durchführbar ist auf 10- bis 20 Prozent aller Schlaganfall-Patienten.

Was verstehen Mediziner unter einem Schlaganfall beziehungsweise Apoplex?

Als Apoplex oder Schlaganfall wird eine plötzliche auftretende die Hirnerkrankung verstanden, bei der häufig mehrere Funktionen des Zentralen Nervensystems beeinträchtigt sind und zudem eine zum Teil mit erheblichen Auswirkungen verbundene Minderversorgung des Gehirns mit Blut und damit mit Sauerstoff gegeben ist. Der Begriff des Apoplex wird in der Fachwelt nicht einheitlich benutzt. So wird die Bezeichnung vielfach für verschiedene neurologische Ausfallerscheinungen benutzt, bei der das Gehirn beteiligt ist. Als gemeinsames Symptom aller unter dem Begriff fallenden neurologischen Krankheitsbilder ist jedoch eine deutliche Durchblutungsstörungen des Gehirns anzusehen, wobei definitionsgemäß keine konvulsive Störung, also eine Erregbarkeitsstörung von Nervenzellen vorhanden sein darf.

Häufigkeit von Schlaganfallereignissen in Deutschland bezogen auf unterschiedliche neurologische Krankenheitsbilder

Bei den so genannten ischämischen Hirninfarkten treten Krankheitsfälle mit einer Häufigkeit zwischen 160 bis 240 Krankheitsfällen pro 100.000 Einwohner auf. Bei den Hirnblutungen beträgt die Häufigkeit in Deutschland durchschnittlich 24 Fälle auf 100.000 Einwohner. Bei der so genannten Subarachnoidalblutung kommt es zu Einblutungen in den Liquorraum, der das Gehirn umgibt. Die Häufigkeit dieser Form beträgt durchschnittlich sechs Fälle auf 100.000 Einwohner. Apoplex-Ereignisse mit ungeklärter Ursache sind durchschnittlich, bezogen auf 100.000 Einwohner, achtmal anzutreffen. Der Apoplex gilt somit als eine der häufigsten auftretenden Erkrankungen in Deutschland. Zudem ist es die dritthäufigste Todesursache. Demnach gab es im Jahr 2006 insgesamt 65.133 Todesfälle, für die der Apoplex ursächlich war.

Was sind die Symptome des Schlaganfalls?

Die Symptome des Schlaganfalls äußern sich in einer auftretenden Sehstörung, die entweder auf ein Auge oder aber auch auf beide Augen übergreifen kann. Zudem kann es zum Sehen von Doppelbildern kommen sowie zu Gesichtsfeldausfällen. Es treten auch häufig so genannte Neglect-Ereignisse auf. Darunter verstehen Mediziner die nicht vorhandene Wahrnehmung des eigenen Körpers oder von Teilen der Umwelt. Zudem tritt häufig auch Erbrechen, Übelkeit und Schwindel als Symptom hinzu. Auch Koordinationsstörungen und Gleichgewichtsstörungen und damit verbundene Gangstörungen sind deutliche Symptome eines Schlaganfalls. Weiter treten ein Taubheitsgefühl in den Armen und Beinen sowie Lähmungserscheinungen im Gesicht oder in einem Bein oder in einem Arm oder aber auch in einer Körperhälfte auf.

Besonders charakteristisch sind die auftretende Desorientiertheit sowie das fehlende Sprachvermögen und der damit verbundene Verlust sowie die kurzfristig verlorene Fähigkeit, Verständnisfragen zu beantworten oder hinsichtlich des Inhalts gedanklich umsetzen zu können. Zudem fehlt häufig auch die Fähigkeit schreiben zu können. Häufig tritt auch starker Kopfschmerz hinzu und ein entgleister Blutdruck. Charakteristisch für einen Schlaganfall ist zudem das Auftreten von Wortfindungsstörungen.

Ursachen eines Apoplexes

Als Ursachen eines Schlaganfalls können entweder arterielle Embolien durch Thromben oder Thrombosen der venösen Gefäße verantwortlich gemacht werden. Aber auch eine plötzliche Gefäßverengung durch einen Gefäßspasmus (Gefäßverkrampfung) kann kausal sein. Ausgelöst durch einen hohen Blutdruck können zudem Gefäße reißen. Bei Patienten mit einer gestörten Blutgerinnung (zum Beispiel infolge der Einnahme von Marcumar) kann es zudem zu Spontanblutungen kommen. Letztlich können auch subdurale und epidurale Hämatome und eine dadurch ausgelöste Subarachnoidalblutung für einen Apoplex verantwortlich sein.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt in erster Linie durch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder die Computertomographie (CT). Wichtig zu bemerken ist jedoch, dass bei ischämischen Hirninfarkten weder das CT noch das MRT in den ersten Stunden ein auffälliges Krankheitsbild zeigen muss.

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