E-Zigarette – Diskussion um Schädlichkeit eskaliert

11. Februar 2015
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Die E-Zigarette wird von deren Benutzern als Möglichkeit gesehen, eine gesündere Lebensweise auszuüben. Kritiker indes sehen die elektronische Zigarette als ebenso gefährlich an wie eine herkömmliche Zigarette. Die Nutzer der E-Zigaretten bezeichnen sich selbst gerne als so genannte “ Dampfer“.

E-Zigarette: Rettet das „Dampfen“ Menschenleben?

Während zahlreiche Gesundheitsexperten die elektronische Zigarette als teilweise ebenso schädlich ansehen wie das Inhalieren von Tabakrauch, gibt es auch Experten, die mit den Nutzern der elektronischen Zigarette darin übereinstimmen, dass das “Dampfen“ weniger gesundheitliche Probleme verursachen würde, als der Genuss einer herkömmlichen Zigarette. Kürzlich schrieben Soziomediziner der Columbia Universität von New York in dem renommierten Fachmagazin “Science“ von einem so genannten “globalen Kampf um E- Zigaretten“. Derweil beurteilt der Präventivmediziner Peter Hajek von der Londoner Queen Mary University die elektronische Zigarette als probates Mittel, um hunderttausende Menschenleben retten zu können. Seine Sicht der Dinge publizierte Hajek in dem Fachmagazin “BMC Medicine“.

Fördert die E-Zigarette den Zigarettenkonsum?

Eine völlig andere Forschungsmeinung vertritt hingegen Charlotta Pisinger vom Glostrup Hospital in Dänemark. Sie schrieb in demselben Magazin wie Hajek, dass die E-Zigarette sogar den Konsum von echten Zigaretten fördern könne und dadurch das herkömmliche Rauchen von Tabakzigaretten wieder anheizen könne. Studien belegen derweil, dass zahlreiche herkömmliche Raucher von Tabakzigaretten auf die elektronischen Zigaretten umgestiegen sind. Nach Angaben der Produzenten von elektronischen Zigaretten stieg der Umsatz an verkauften Aromastoffen und damit der so genannten Liquids deutlich an.

Die Liquids bestehen aus einer bestimmten Trägersubstanz. Dabei handelt es sich zumeist um Glyzerin oder Propylenglykol. Die meisten Liquids beinhalten zudem Nikotin. Einige Mediziner wie beispielsweise der Pharmakologe David Nutt (Imperial College London) sehen im Verhältnis zu herkömmlichen Zigaretten die Gesundheitsgefahren durch die elektronischen Zigaretten bei nur rund vier Prozent. Nach Prognosen des Deutschen Krebsforschungszentrums verringert sich die Lebenserwartung eines Menschen durchschnittlich um zehn Jahre, wenn dieser regelmäßig raucht.

Rauchen verursacht zahlreiche Erkrankungen

Rauchen gilt als eine der Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und damit verbundene Spätfolgen wie Arteriosklerose sowie Atemwegserkrankungen und vor allem fördert Rauchen die Entstehung von Krebs. Auch die Entstehung von Diabetes mellitus (Typ 2) wird durch das Rauchen gefördert. Letztlich haben Raucher auch ein erhöhtes Risiko an einer Thrombose zu erkranken. Nach Angaben von Wissenschaftlern könne der Umstieg von der herkömmlichen Zigarette auf die elektronische Zigarette weltweit etwa 100 Millionen Menschenleben retten. Dabei wird insbesondere auf Studien verwiesen, nach den von neun Rauchern einer bei der elektronischen Zigarette verbleibt.

Insgesamt können nach zwei randomisierten Studien zufolge neun Prozent der Konsumenten von elektronischen Zigaretten den Tabakkonsum für mindestens ein Jahr unterlassen. 36 Prozent der Nutzer von elektronischen Zigaretten können Ihren Tabakkonsum demnach zumindest um die Hälfte reduzieren. Derweil entgegnet Martina Pötschke-Langer vom deutschen Krebsforschungszentrum, dass Raucher von Tabakzigaretten zu einem völligen Verzicht bewegt werden sollten und nicht zum Umstieg auf die E-Zigarette.

Wie schädlich sind die Liquids?

Nach Angaben von Pötschke-Langer würden insbesondere die in den Liquids enthaltenen Aromastoffe über die Atemwege in den Körper gelangen. Vielfach besitzen die Aerosole nur eine Größe im Nanometerbereich. Zudem seien zahlreiche der in den Liquids enthaltenen Aromastoffe nicht getestet worden. Viele weitere wurden lediglich in Lebensmitteln erprobt. Studien zur Schädlichkeit von Aromastoffen durch Inhalation gebe es nach Angaben von Pötschlke-Langer indes für viele Aromastoffe nicht.

Demnach gibt es zwar zahlreiche Studien zu den Liquids, aber weil es sich um Tausende von möglichen Inhaltsstoffen handelt, würde die bisherige Anzahl von durchgeführten Studien zur Beurteilung einer Gesamtgefahr nach Angaben von Pötschke-Langer nicht ausreichen. Auch Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung beurteilen die in den Liquids enthaltenen Aromastoffe kritisch. So gab es Vernebelungsmittel, mit Ethylenglycol. Ethylenglycol ist Bestandteil von Frostschutzmitteln. Auch fanden die Wissenschaftler Cumarin. Dieser Wirkstoff darf aufgrund der Toxizität für die Leber in Tabakerzeugnissen beispielsweise nicht vorkommen.

Zudem können bei dem Verdampfen der Liquids chemische Verbindungen wie Formaldehyd und Acetaldehyd entstehen. Besonders gefährlich ist die Tatsache, dass zahlreiche Nutzer von elektronischen Zigaretten ihre Liquids teilweise selbst zusammenmischen. Entsprechende Kontrollmechanismen hinsichtlich der dabei enthaltenen Inhaltsstoffe fehlen. Studien lassen sich deshalb diesbezüglich nicht durchführen, da einer Vergleichbarkeit fehlt, da jeweils ein individuelles Liquid hergestellt wird.

Überzeugende Studien zur E-Zigarette fehlen für beide Seiten

Hinsichtlich der Gefahr für die Umwelt durch das Verdampfen gab es im April 2013 eine Studie von J.-F. Bertholon. Demnach beträgt die Halbwertszeit von Tabakrauch in der Luft zwischen 19 und 20 Minuten. Die Halbwertzeit von Passivdampf beträgt hingegen lediglich 11 Sekunden. Die Wissenschaftler um Bertholon leiten aus den gewonnenen Erkenntnissen ab, dass das Risiko einer gesundheitlichen Schädigungen durch die Belastungen des Passivdampfers durch E-Zigaretten als lediglich gering anzusehen sind.

Vergleicht man sämtliche vorhandenen Studien zum Thema E-Zigarette, so gelangt man zu der Erkenntnis, dass Befürworter und Gegner der elektronischen Zigarette jeweils wissenschaftliche Kriterien bei der Beurteilung der Schädlichkeit oder Nicht-Schädlichkeit von elektronischen Zigaretten anwenden. Daraus lässt sich ableiten, dass eine abschließende Beurteilung hinsichtlich der möglichen Gesundheitsgefahren der E-Zigarette zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich ist. Dies wiederum bedeutet, dass der Streit zwischen Befürwortern der elektronischen Zigarette, der E-Zigarettenindustrie und der Gegner des “Dampfens“ auch in Zukunft weiter andauern dürfte.

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