Pille danach ohne Rezept in der Apotheke: Anti-Baby-Pille Ellaone

10. Februar 2015
Baby mit MutterDie Pille danach verhindert eine ungewollte Schwnagerschaft

Die Anti-Baby-Pille oder besser bekannt unter der „Pille danach“ wird ab dem 15. März rezeptfrei in Apotheken verkauft. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat sich zusammen mit dem Pharma-Unternehmen HRA darauf geeinigt, das Medikament zur Empfängnisverhütung in dem OTC-Packungsdesign zu verkaufen.

Ellaone: rezeptfreie Pille danach bedarf Gesetzesänderung

Ursprünglich sollte der Verkauf bereits im Februar starten. Die Pille danach ist dann unter dem Handelsnamen Ellaone® erhältlich. Der in dem Präparat enthaltene Wirkstoff ist Ulipristalacetat. Daneben sollen auch weitere Notfallkontrazeptiva (Wirkstoff ist hier Levonorgestrel) zukünftig ohne Rezept erhältlich sein. Bevor die Anti-Baby.Pille danach ohne Rezept in Apotheken erhältlich sein wird, wird der Bundesrat am 6. März noch einmal zu dem Fall beraten.

Damit die Pille danach rezeptfrei in Apotheken erhältlich ist, muss nämlich die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) zunächst entsprechend geändert werden. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Zustimmung als sicher gilt, da der Bundesrat sich bereits in der Vergangenheit mehrheitlich für eine rezeptfreie Abgabe dieses Verhütungsmittels ausgesprochen hatte.

EU-Kommission streicht Verschreibungspflicht für die Pille danach

Nach der Beratung soll das Gesetz umgehend im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden und die Pille danach ab dem 15. März ohne Rezept in den Apotheken erhältlich sein. Zuvor hatte bereits die EU-Kommission am 7. Januar 2015 eine Entscheidung zu dem Präparat Ellaone® gefasst, die eine Entlassung aus der Verschreibungspflicht zum Gegenstand hatte.

Das Bundesgesundheitsministerium leitete daraufhin umgehend eine entsprechende Anpassung der deutschen Arzneimittelverschreibungsverordnung ein. Apotheker indes sind derweil ratlos, da es derzeit keine Rechtssicherheit darüber gibt, ob Ellaone durch den Beschluss der EU-Freigabe bereits ab sofort ohne Rezept abgegeben werden darf oder zunächst die Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung abgewartet werden müsse.

Kostenerstattung an unter 20-jährige Frauen zukünftig fraglich

Zudem bleibt fraglich, ob durch den Wegfall der Rezeptpflicht die Pille danach für Frauen unter 20 Jahren auch zukünftig von den Krankenkassen erstattet werden und damit kostenfrei bleibt oder nicht. Bisher ist die Erstattung der Kosten für die Anti-Baby-Pille zwingend an eine ärztliche Verordnung des Medikamentes gebunden.

Ersten Erkenntnissen nach soll dies auch vorerst weiterhin so bleiben. Fraglich bleibt, welche Kriterien die Apotheker hinsichtlich der Beratungspflicht bei der Abgabe des Verhütungsmittels in Notsituationen aus gesetzlicher Sicht erfüllen müssen.

Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte derweil, dass es diesbezüglich erste Gespräche mit Gynäkologen, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und Apothekern gibt.

Ellaone: Wirkungsweise der Pille danach

Unter der Pille danach wird ein Präparat verstanden, dass nach einem ausgeübten Geschlechtsverkehr eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann. Anders als die normale Pille wirkt es also nicht prophylaktisch, sondern verhindert nach erfolgtem Verkehr eine ungewollte Schwangerschaft. Als wirksame Substanzen werden hierbei das Gestagenderivat Levonorgestrel sowie der Progesteron-Modulator Ulipristalacetat eingesetzt.

Je nach eingesetzten Wirkstoff muss die Pille danach innerhalb einer bestimmten Frist nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Zur regelmäßigen Empfängnisverhütung eignet sich die Pille danach indes nicht. Diese verändert nämlich den Zyklus der Menstruation.

Der Wirkstoff Ulipristalacetat kann noch 72 Stunden später genommen werden

Beim Wirkstoff Ulipristalacetat wird neben einer ovulationshemmenden Wirkung auch einer Hemmung der Einnistung der bereits befruchteten Eizelle vonseiten der Wissenschaft diskutiert. Der Wirkstoff Levonorgestrel kann bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Je früher der Wirkstoff eingenommen wird, umso eher besteht die Möglichkeit, dass eine ungewollte Schwangerschaft verhindert wird.

Levonorgestrel: Wirksamkeit nach einem zwei und drei Tagen

Wenn die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel innerhalb der ersten 24 Stunden eingenommen wird, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft lediglich 0,6 Prozent. Am zweiten Tag nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr beträgt die Rate einer ungewollten Schwangerschaft rund 1,2 Prozent. Bei einer Einnahme am dritten Tag liegt der Wert bereits bei 2,7 Prozent.

Von Seiten der Wissenschaft gilt es als sicher, dass der Wirkstoff Levonorgestrel ebenso wie der Wirkstoff Ulipristalacetat keine Wirkung besitzt, wenn die befruchtete Eizelle sich bereits in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Ulipristalacetat verhindert den Eisprung bis wenige Stunden vor dem eigentlichen Eisprung. Anders als Levonorgestrel kann Ulipristalacetat noch bis zu fünf Tagen nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

Zuverlässige Verhütung bei zeitiger Einnahme der „Pille danach“

Eine möglichst frühzeitige Einnahme nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr erhöht jedoch die Chance, dass tatsächlich keine ungewollte Schwangerschaft entsteht. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um einen selektiven Progesteron-Rezeptormodulator. Dieser verhindert das Andocken des körpereigenen Progesterons und macht es somit wirkungslos. Dadurch wird der Eisprung entweder verzögert oder vollständig verhindert.

Nebenwirkungen der Pille danach

Zudem wird die Bildung bestimmter Proteine, die für die Entstehung und die Fortsetzung einer Schwangerschaft notwendig sind, unterdrückt. Wie jedes Medikament weisen auch die Wirkstoffe der Pille danach unerwünschte Nebenwirkungen auf.

Levonorgestrel beispielsweise verursacht in etwa 10 Prozent der Fälle Übelkeit Unterbauchschmerzen, Kopfschmerzen. Zudem können Zwischenblutungen entstehen. Bei der Pille danach mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat treten besonders häufig Menstruationsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Unterleibschmerzen auf.

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