Depression ist die Erkrankung der Perfektionisten

23. Januar 2015
larvierte DepressionDepression im Alter oft unerkannt

Das Krankheitsbild der Depression nimmt immer mehr zu. Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Deutschland leiden derzeit rund vier Millionen Menschen an einer Form der Depression.Das in Köln ansässige Marktforschungsinstitut “Rheingold“ hat untersucht, inwieweit die Erkrankung einer bislang nicht ergründeten inneren Struktur folgt. Das Ergebnis der Studie definiert demnach einen aus sechs Stufen bestehenden Prozess. Besonders häufig befällt die Krankheit perfektionistisch veranlagte Menschen.

Depression hat mehrere Ursachen

Depressionen sind gekennzeichnet durch innere Leere, Antriebslustigkeit, besonders am Morgen, diffuse Ängste und Selbstzweifel. Nach Schätzungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leidet jeder fünfte Bürger in Deutschland mindestens einmal in seinem Leben an einer Form der Depression. Neben sozialen Ursachen können auch belastende Ereignisse wie Trauer oder Trennung schwerwiegende Krankheiten sowie hormonelle Entgleisungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion aber auch Überlastungen im Beruf und im Privatleben die Entstehung einer Depression befördern.

Marktforscher finden „innere Logik“ und stellen sechs Stufen der Depression fest

Das Marktforschungsinstitut “Rheingold“ hat in einer tiefenpsychologischen Studie analysiert, welcher bislang als unbekannt geltenden inneren Struktur die Depression folgt. Die Marktforscher untersuchten im Auftrag des Instituts “PASCOE Naturmedizin“ unter Anleitung des Diplom-Psychologen Stephan Grünewald 80 Personen. Diese wurden in zweistündigen tiefenpsychologischen Interviews hinsichtlich ihrer depressiven Symptome befragt.

Rund die Hälfte der befragten Personen litt dabei an einer depressiven Verstimmung oder einer Depression. Daneben führten die Marktforscher auch Gespräche mit zehn Apothekern, 22 Medizinern und acht Pharmazeutisch Technischen Assistenten. Das Ergebnis der Studie offenbart, dass die Depression offenbar sechs verschiedene Stufen durchläuft. Demnach folgt nach Angaben der Wissenschaftler die Depression einer unbewussten, seelischen Produktion, die einer geheimen, jedoch beschreibbaren inneren Psycho-Logik folgt“.

Häufig erkranken Perfektionisten an einer Depression

Insbesondere “der Wille zur Perfektion“ gilt als einer der Hauptursachen für die Begünstigung und Entstehung einer Depression. Den Interviewern zeigten sich die Probanden nicht ausschließlich niedergeschlagen, sondern in erster Linie durch einen hohen Anspruch an sich selbst gekennzeichnet. Weil die Betroffenen jedoch feststellen, dass sich die Ansprüche nicht immer realisieren lassen, folgen Wahrnehmungen wie das Gefühl “ein Versager zu sein“. Statt sich mit der Situation aktiv auseinanderzusetzen kommt es hingegen bei den Betroffenen zu Rückzugstendenzen, die einer Haltung im Sinne einer gewissen Gleichgültigkeit im Alltag zur Folge haben.

Unterscheidung zwischen manifester Depression und depressiver Episode

Nach Angaben der Forscher erscheint es den Betroffenen, als würde ein “riesiger Berg vor ihnen liegen, den sie nicht im Stande sind zu erklimmen“. Im weiteren Schritt kommt es bei den Betroffenen zu ständigen Kreisen von Gedanken. Für die Außenwelt wirken die Betroffenen zum Teil lethargisch und ruhig. Im Inneren kommt es aber zu innerer Unruhe, die letztlich häufig zu Schlafstörungen führt. Schließlich wird die Phase der so genannten “resignativ-verbitterten Symptombehandlung“ erreicht.

Die Betroffenen finden sich schließlich mit dem Zustand ab, dass es keinen Ausweg für sie gäbe. Dieser Zustand kann mehrere Jahre andauern. Die Depression wird in der Psychiatrie den effektiven Störungen zugeordnet. Dabei wird zwischen der so genannten depressiven Episode und der rezidivierenden depressiven Störung unterschieden. Bei der Behandlung depressiver Erkrankungen werden je nach Ursache und Verlauf sowohl Antidepressiva aber auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen eingesetzt.

Besonders gefährlich: latente Suizidalität

Die Depression ist im medizinischen Sinne von einer Verstimmung (an der nahezu jeder einmal leidet) zu unterscheiden. Die echte Depression ist im medizinisch-psychiatrischen Sinn als ernste Erkrankungen aufzufassen, die einer Behandlung bedarf. Eine der Hauptgefahren der Depression liegt in einer akuten oder latenten Suizidalität. Studien gehen davon aus, dass etwa 50 Prozent der Personen, die einen Selbstmord begehen zuvor an einer Depression im medizinischen Sinne gelitten haben. Die Depression ist nicht nur von einem Gefühl der inneren Leere und Sinnlosigkeit gekennzeichnet, sondern auch von einer Antriebshemmung, einhergehend mit einer inneren Unruhe. Hierzu kommt es oft zu einer Verschiebung des 24-Stunden-Schlaf-Wach-Rhythmus. Häufigstes Kennzeichen der Depression ist das so genannte Morgentief.

Es gibt aber auch eine Form der Depression, bei der es ein so genanntes Abendtief gibt. Weitere charakteristische Symptome der Depression können ein übersteigertes Krankheitsbewustsein (Hypochondrie), ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeit sowie starke Schuldgefühle und eine herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit sein. Aber auch das kognitive Denken kann verlangsamt sein. Zudem treten vielfach ein Verlust der Libido und eine starke Ängstlichkeit zutage.

Zur Depression gesellen sich häufig auch physische Symptome

Neben den rein psychischen Symptomen gesellen sich zur medizinisch diagnostizierten Depression häufig auch körperliche Symptome wie Gewichtsabnahme, oder Gewichtszunahme, Appetitlosigkeit, Schlafstörung und indifferente Schmerzen. Weil eine Depression auch von einer anderen Krankheit überdeckt sein kann, spricht man von einer so genannten “lavierten Depression“. Insbesondere bei Patienten mit einer demenziellen Erkrankung und hier insbesondere in Alten-und Pflegeheimen ist die sogenannte lavierte Depression häufig anzutreffen und wird nur allzu selten nicht diagnostiziert und dementsprechend werden die Betroffenen nicht richtig behandelt.

Die Depression gilt als die am häufigsten auftretende psychiatrische Erkrankung. Auffällig ist zudem, dass Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer von einer Depression betroffen sind, was die diagnostizierten Depressionen betrifft. Heutzutage gilt es jedoch als gesichert, dass bei Männern aufgrund einer sich andersartig zeigenden Symptomatik die Depression häufig nicht korrekt diagnostiziert wird und die Ergebnisse der Häufigkeit dadurch falsch interpretiert werden. Als Ursache der Depression werden einerseits soziale Faktoren, aber auch genetische Ursachen, und in aller erster Linie zunehmend auch die steigenden beruflichen und gesellschaftlichen Ansprüche genannt. Die schwere Formen der Depression wird stationär behandelt (insbesondere Hinblick auf die latente Suizidalität), leichtere Formen können auch ambulant behandelt werden.

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