Übergewicht nicht so schlimm wie Bewegungsmangel

22. Januar 2015
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Übergewicht ist einer aktuellen Studie der Universität Cambridge nach nicht so gefährlich wie Bewegungsmangel. Demnach ist akuter Bewegungsmangel an mehr Todesfällen beteiligt als Übergewicht.

Häufig treten Bewegungsmangel und Übergewicht in Kombination auf

Die Wissenschaftler werteten Daten von über 334.000 Personen über einen Zeitraum von zwölf Jahren aus. Insgesamt führt die Studie 676.000 Todesfälle im Jahr innerhalb ganz Europas auf Bewegungsmangel zurück. Übergewicht hingegen ist nur für 337.000 Personen als Todesursache diagnostiziert worden. Einerseits ist auch Übergewicht als Risikofaktor nicht zu unterschätzen. Da dieses häufig in Kombination mit Bewegungsmangel auftritt, sind sehr oft beide Ursachen für den Tod kausal. Die Studie hat aber nun auch herausgefunden, dass normalgewichtige Personen, die keinen Sport treiben oder sich nur sehr wenig bewegen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Übergewichtige die sich bewegen sterben später als Schlanke ohne Bewegung

Denn die Studie fand heraus, dass übergewichtige Personen, die regelmäßig Sport treiben das Erkrankungsrisiko gegenüber normalgewichtigen Personen ohne Bewegung deutlich senken. Wenn der Bewegungsmangel behoben werden könnte, würden rund 670.000 Todesfälle im Jahr, das entspricht einer Quote von 7,5 Prozent, weniger auftreten als bisher. Wenn das Übergewicht komplett aus Europa verschwinden würde, gebe es hingegen nur rund 3,6 Prozent weniger Todesfälle. Auch in Deutschland tritt dieses Phänomen immer häufiger zutage.

Etwa 60 Prozent der Bundesbürger bewegen sich weniger als 2,5 Stunden in der Woche körperlich. Dies ergab eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts im Jahr 2012. Die Wissenschaftler der Universität Cambridge haben anhand der so genannten EPIC-Studie die Daten von insgesamt 334.161 Europäern ausgewertet. Im Zeitraum von zwölf Jahren starben während der Dauer der Studie von den Teilnehmern 21.438 Personen.

Schon 20 Minuten Spaziergang am Tag reichen aus

Dabei beobachteten die Wissenschaftler besonders viele Todesfälle in derjenigen Gruppe, in der sich nahezu keine körperliche Betätigung zeigte. Aus den gewonnenen Studiendaten rechneten die Forscher hoch, dass Bewegungsmangel für jährlich rund 676.000 Todesfälle in Europa verantwortlich ist. Diejenigen Studienteilnehmer, die sich am Tag beispielsweise im Rahmen eines rund 20 minütigen Spaziergangs bewegten, hatten indes ein um bis zu 30 Prozent reduziertes Risiko früher zu sterben.

Adipositas: Mehrere Grade lassen sich unterteilen

Bei einer noch deutlicheren körperlichen Aktivität sank das Risiko weiter. Während sich Bewegungsmangel durch körperliche Aktivität und regelmäßige körperliche Betätigung im Sinne von Sport oder zumindest häufigen Spaziergängen beheben lässt und dadurch als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankung und Diabetes reduzieren lässt, ist die Fettleibigkeit beziehungsweise das starke Übergewicht (Mediziner sprechen von Adipositas) ein immer gravierender auftretendes Problem.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von einer Adipositas ab einem BMI von 30. Von Normalgewicht spricht man bei einem BMI von 18,5-24,9. Übergewicht ist definiert ab einem Wert von 25-29,9. Adipositas des ersten Grades wird von Medizinern ab einem BMI von 30-34,9 definiert. Der Grad II wird klassifiziert ab einem Wert von 35-39,9. Der dritte Grad gilt ab einem BMI von 40 und größer.

Verteilung von Körperfett wichtiger als BMI

Anders als früher angenommen, ist jedoch nicht der BMI an sich ausschlaggebend, sondern dass im Körper verteilte Fett. Hierbei sind insbesondere die Fettdepots im Bauchraum und den inneren Organen als besonders gefährlich anzusehen. Weil das innere Bauchfett insbesondere den Kohlenhydratstoffwechsel und den Fettstoffwechsel ungünstig beeinflusst, gilt dieses als Auslöser des metabolischen Syndroms und kann zu Diabetes und zu Fettstoffwechselstörungen führen.

Übergewicht als Phänomen der Industrieländer

Als Ursachen von Übergewicht beziehungsweise Adipositas tritt in den Industrienationen insbesondere das Überangebot an kalorienreichen Nahrungsmitteln zutage. Zudem sind die industrialisierten Länder häufig durch wenig körperliche Arbeit gekennzeichnet. Mit zunehmendem Wohlstand tritt dieses Phänomen aber auch in den Schwellenländern immer häufiger auf.

Insbesondere sitzende Tätigkeiten und geringer Anreize für Bewegungen aufgrund des Vorhandenseins von Autos, Rolltreppen und Fahrstühlen aber auch das Angebot an Fastfood sowie die häufig in den Industrienationen anzutreffende unregelmäßige Lebensführung gelten als kausal für Übergewicht.

Übergewicht als soziale Frage

Auffällig dabei ist die Tatsache, dass das Auftreten von Übergewicht mit dem sozialen Status zusammenhängt. Je höher dieser ist, umso gesünder leben die betreffenden Personen. In Familien mit niedrigem sozialem Status ist Übergewicht hingegen öfter anzutreffen. Nicht nur soziale Faktoren, sondern auch genetische Faktoren können für Übergewicht verantwortlich sein. Daneben gibt es aber auch bestimmte Arten von Essstörungen und bestimmte Formen von Suchterkrankungen, die die Entstehung von starkem Übergewicht fördern.

Medikamentennebenwirkungen und Übergewicht

Auch Stoffwechselerkrankungen können kausal für Adipositas verantwortlich sein. Wissenschaftler vermuten zudem, dass bestimmte Infektionen mit Adenoviren für einige Formen der Adipositas mitverantwortlich sein können. Aber auch bestimmte Medikamente, darunter insbesondere Neuroleptika, Antidepressiva, Insulin und bestimmte Verhütungsmittel können eine Gewichtszunahme als Nebenwirkung aufweisen.

Auch Kortikosteroide weisen eine derartige Nebenwirkung auf. Durch den unsteten Lebenswandel und durch unregelmäßige Arbeitszeiten verbleibt zudem kaum Zeit Nahrungsmittel hinsichtlich der Qualität selber zu kochen oder in Form von Salaten zuzubereiten. Das industrielle Essen sorgt hingegen für Veränderungen des Hormonspiegels oder sorgt durch appetitanregende Geschmacksverstärker dafür, dass das Gewicht weiter zunimmt.

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