Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig

3. Juni 2014
Warnung vor Diätpillen

Die Anzahl der Übergewichtigen in der Weltbevölkerung steigt schneller, als die Bevölkerung selbst wächst. So auch in Deutschland, wo jeder zweite übergewichtig oder adipös ist. Männer sind ganz besonders betroffen.

Lancet, eine der ältesten medizinischen Fachzeitschriften hat eine aktuelle Studie zum Ernährungs- und Gewichtsstatus der Weltbevölkerung veröffentlicht. Die Ergebnisse sind erschreckend: Fast ein Drittel der Weltbevölkerung ist übergewichtig oder fettleibig. Wahrend 1980 weltweit nur 857 Millionen Menschen zu viel wogen, waren es 2013 bereits 2,1 Milliarden. Tendenz steigend.

Die Forscher um Marie Ng vom Insitute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University Washington haben mit Forschungsgeldern der Bill und Melinda Gates Foundation insgesamt 188 Länder untersucht. Es zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der besonders stark übergewichtigen Menschen in zehn Ländern leben. Dazu gehören die USA, China, Indien und auch Deutschland. Als Kriterium für Übergewicht und Adipositas nutzten die Wissenschaftler den Body-Mass-Index

Adipositas: „Problem jeden Alters und Einkommen“

Bei einem BMI zwischen 25 und 29,9 spricht man von Übergewicht, bei 30 oder hoher bereits von Fettleibigkeit (Adipositas). Insgesamt gelten laut dieser Definition  weltweit 671 Millionen Menschen als adipös. Der größte Anteil von ihnen lebt in den USA. Wie die Studie jedoch zeigt, ist „Fettleibigkeit ein Problem, das Menschen jeden Alters und Einkommens betrifft – überall“, erklärt IHME-Direktor Christopher Murray. Der stärkste Anstieg von Adipositas ist in den Ländern des Nahen Ostens wie Ägypten oder Saudi-Arabien zu verzeichnen.

Gefahr auch bei Kindern: Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen

Neben falscher Ernährung und zu wenig Bewegung zählen auch genetische Veranlagung, Stress, Schlafmangel und bestimmte Medikamente zu den Ursachen von Übergewicht und Fettleibigkeit. Zu den bekanntesten gesundheitlichen Gefahren zählen metabolisches Syndrom, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Als besonders besorgniserregend betrachten die Wissenschaftler die Gewichtsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Studienleiterin Marie Ng erklärt „Wir wissen, dass Adipositas im Kindesalter ernsthafte nachgeschaltete Gesundheitseffekte hat, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele Krebsformen“.

Bundesbürger erschreckend dick

Bei den Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat jeder fünfte mit Übergewicht und jeder zwanzigste mit Fettleibigkeit zu kämpfen. Bei den Erwachsenen fallen die Zahlen noch drastischer aus. Denn laut der Lancet-Studie sind hierzulande rund 64 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen übergewichtig.

In einem Kommentar zur Studie würdigt Klim McPherson von der Oxford University die aufwendige Studie. Auch wenn die Autoren aufgrund der großen Menge an Informationen, die auf unterschiedlichste Weise gesammelt wurden, einige Datenmodellierungen haben vornehmen müssen, verschleiere dies nicht die Wahrheit, die hinter diesen Daten stecke. McPherson ruft die Politik dazu auf, mehr gegen das Problem Übergewicht zu unternehmen.

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