Geringer Proteingehalt in Chips, Burger und Co. verantwortlich für Übergewicht

8. Mai 2014
Ernährung, PutenfleischErnährung

Spätestens abends vor dem Fernseher setzt er ein: der Heißhunger auf Knabberzeug. Wer hätte gedacht, dass der Körper in diesem Moment eigentlich weder Salz, noch Fett verlangt, sondern in Wahrheit nur eins: Fleisch. Das behaupten zwei Ernährungswissenschaftler aus Sydney. Für sie ist der Konsum falscher Proteine einer der Hauptursachen für die steigende Zahl an Übergewichtigen.

Der Gusto auf Fleisch ist tief verwurzelt ist den Genen. Unsere Vorfahren in der Steinzeit streiften tagelang durch die Wildnis und jagten. Das erlegte Tier diente als Energiequelle für den kräftezehrenden Alltag und galt als Inbegriff von Lebenskraft.

Chips statt Steak

Das Bedürfnis nach Fleisch, tierischem Protein um genauer zu sein, ist bis heute durch unsere Erbinformation überliefert worden. Doch die Omnipräsenz von Fast Food und Convenience Produkten hat die Geschmacks- und Körperwahrnehmung getrübt. Obwohl der Körper Fleisch verlangt, greifen wir zur Chipstüte.

Billiges Fett und Geschmackverstärker ersetzen tierisches Eiweiß

Schuld daran ist vor allem die Lebensmittelindustrie. Sie hat erkannt, dass sich das fleischliebende Appetit-System des Körpers überlisten lässt. Es muss kein echtes Fleisch auf den Teller, eine Mischung aus günstigem Fett und Geschmacksverstärkern wie Glutamat reicht aus, um das Bedürfnis zu stillen. Doch die Täuschung hat ernsthafte Folgen. Die australischen Ernährungswissenschaftler Stephen Simpson und David Raubenheimer machen falsche Proteine für die steigende Prävalenz an Übergewicht und Adipositas verantwortlich.

Für Andreas Pfeiffer vom Deutschen Insitut für Ernährungsforschung ist der Zusammenhang zwischen Proteinen und Übergewicht nicht ganz so simple wie seine australisichen Kollegen behaupten. „Protein spielt zwar eine gewisse Rolle. Aber wenn es mit dem Abnehmen so leicht wäre, dass wir nur mehr Fleisch essen müssten, hätten wir keine Probleme mit Übergewicht.“ Ein Mitteleuropäer ist mit rund 90 Gramm Eiweiß pro Tag bereits ausreichend versorgt.

Atkins-Diät: Kein Brot, dafür Steak

Stephen Simpson und David Raubenheimer vom Charles Perkins Centre in Sydney haben jedoch lange geforscht und stützen ihre These mit aussagekräftigen Studien. Der einfachste Weg abzunehmen, ist für sie bei gleichbleibender Kalorienzahl den Eiweißanteil in der Nahrung zu erhöhen. Das erkannte bereits der amerikanische Kardiologe Robert Atkins und entwickelte die nach ihm benannte Diät, bei der Kohlenhydrate reduziert, tierisches Eiweiß hingegen die Hauptenergiequelle darstellt.

Proteingefütterte Mäuse starben früher

Diese Art der Ernährung kann tatsächlich bei der Gewichtsreduktion helfen, ist jedoch auf Dauer auch zu einseitig. Das haben auch Simpson und Raubenheimer erkannt. In einem ihrer Experimente fütterten sie eine Gruppe Mäuse mit einem  auch nicht ratsam. Zu einseitig ist verstarben diejenigen Testmäuse, die auf eine Diät mit extrem hohem Proteingehalt gesetzt wurden, früher als ihre Artgenossen.

Fakt ist: Egal ob für Maus oder Mensch, eine Gleichgewicht zwischen den aufgenommenen Nährstoffen ist für eine gesunde und ausgewogene Ernährung essentiell.  Vorsicht ist jedoch vor stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Burger oder Chips geboten. Denn die Proteinimitate gaukeln falsche Nährstoffverhältnisse vor und tragen durch ihre hohe Energiedichte einen erheblichen Teil zur steigenden Zahl an Übergewichtigen bei.

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