Zahngesundheit: Kranke Zähne durch Mineralstoffmangel

22. April 2014
Die Schmelzbildungsstörung Molaren-Inzivisen-Hypermineralisation führt zu schmerzempfindlichen Zähnen und Zahnverfärbungen

Viele Kinder haben geschädigte Zähne. Oftmals ist dies auf eine Schmelzbildungsstörung zurückzuführen. Diese führt zu Schmerzempfindlichkeiten und Verfärbungen.

Viele Menschen sind von der noch weitestgehend unbekannten Krankheit Molaren-Inzivisen-Hypermineralisation oder kurz MIH betroffen.

Zähne von Betroffenen enthalten weniger Mineralien und sind dadurch anfälliger für bestimmte Zahnerkrankungen.

Hintere Backenzähne sind häufiger betroffen

Kinder, bei denen die zweiten Zähne gerade erst gewachsen sind, können bereits von der Molaren-Inzivisen-Hypermineralisation betroffen sein. Viele Kinder leiden an stark hitze- und kälteempfindlichen Zähnen, die zu starken Verfärbungen neigen. Teilweise ist das Zahnwachstum noch nicht einmal weit fortgeschritten und die Erkrankung macht sich bemerkbar.

Ruth Santamaria, Zahnärztin von der Kinderzahnheilkunde des Greifswalder Universitätsklinikums erklärte, dass die MIH eine spezielle Form der Schmelzbildungsstörung sei. Die Erkrankung tritt dabei besonders häufig an den hinteren Backenzähnen auf, den sogenannten Molaren. Sie kann sich jedoch auch auf den Schneidezähnen, den Incisivi, zeigen.

Zu wenige Mineralien in den Zähnen

Professor Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer oder kurz BZÄK, erklärte, dass in Zähnen, die von der MIH betroffen sind, weniger Mineralien vorhanden seien als in den gesunden Zähnen. Die Kalzium- und Phosphatkonzentrationen seien in den betroffenen Zähnen geringer, wodurch die Zähne porös seien. Karies könne dadurch sehr viel schneller entstehen, sodass sich schnell Zahnschmerzen bemerkbar machen.

Die MIH wird heutzutage meist frühzeitig, bei Backenzähnen, die gerade bei Grundschulkindern durchbrechen, diagnostiziert. Vor wenigen Jahren, gab es die Diagnose Molar Incisor Hypomineralization noch nicht. Erst im Jahr 2001 wurde man auf diese Erkrankung aufmerksam. Die Übersetzung der Krankheit bedeutet so viel wie Mineralmangel der Backen- und Schneidezähne, wie Verena Knapp und Silke Marie Nies in der Fachzeitschrift ‚Zahnmedizin up2date‘ erläutern.

Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen ist sehr gut

Vor wenigen Jahren noch ließ die Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen eher zu wünschen übrig. Heute ist dies laut Professor Oesterreich anders. Die Zahngesundheit junger Menschen sei sehr gut. Früher war es für Zahnärzte deutlich schwerer festzustellen, ob die Zähne bereits porös waren oder ob es sich um eine gewöhnliche Karies handelte.

Laut Ruth Santamaria leiden etwa zehn Prozent der Kinder an MIH. 50 Prozent davon seien von einer schweren Form betroffen, die zu starken Überempfindlichkeiten der zähne oder sogar zu Zahnsubstanzverlust führe.

Auch Erwachsene können von der Erkrankung betroffen sein. Allerdings lässt sich kaum sagen, wie weit die Molaren-Inzivisen-Hypermineralisation bei Erwachsenen verbreitet ist. Meist sind die Zähne dieser Personengruppe bereits saniert, sodass es kaum noch festzustellen ist, ob eine MIH vorgelegen hat. Zudem sei es schwer beurteilen zu können, ob MIH zunimmt. Wissenschaftler beschäftigen sich seit einigen Jahren vermehrt mit dieser speziellen Schmelzbildungsstörung.

Alles deute darauf hin, dass die MIH zunehme. Dennoch ist sich Oesterreich nicht sicher, ob es sich um eine relative oder absolute Zunahme handelt.

Ursache ist unbekannt

Bisher ist noch nicht geklärt, ob mehr Menschen an der Schmelzbildungsstörung leiden oder ob die Diagnosemöglichkeiten besser sind. Durch eine regelmäßige Vorsorge soll es möglich sein, festzustellen, ob die Zähne porös sind oder ob ein ursprünglich gesunder Zahn eine Karies entwickelt hat. Die genaue Ursache für MIH ist immer noch unbekannt, wie Oesterreich bestätigte.

Es werde über mögliche Ursachen diskutiert. Probleme während der Schwangerschaft, ein Sauerstoffmangel bei oder nach der Geburt, sowie Infektionen mit Fieber im Kleinkindalter, Antibiotika, Erkrankungen der Atemwege und Dioxin in der Muttermilch könnten die Entstehung einer MIH begünstigen. Auch könne es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren sein, die zu dieser Schmelzbildungsstörung führe.

Ist eine Vorbeugung möglich?

Santamaria erklärte, dass eine Vorbeugung der Schmelzbildungsstörung sehr schwierig sei, da die Ursache noch nicht klar sei. Zahnärzte wenden unterschiedliche Methoden an, um der Molaren-Inzivisen-Hypermineralisation zu begegnen. Laut Santamaria werden die Zähne bei Betroffenen versiegelt, sofern die MIH früh entdeckt wurde.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gab 2013 eine Mitteilung heraus, dass Krankenkassen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren für die Kosten für eine Zahnversiegelung aufkommen. In besonders schweren Fällen bekämen die Betroffenen Füllungen oder Kronen.

In Extremfällen würde Oesterreich zufolge der jeweilige Zahnarzt entscheiden, ob die betroffenen Zähne erhaltungswürdig seien. Bei Backenzähnen ließe sich die Lücke für gewöhnlich problemlos schließen, wenn ein Zahn gezogen werde müsse. Bei den Frontzähnen sei dies bedeutend schwieriger.

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