Forscher züchten Nasen und Ohren

11. April 2014
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Die Medizin macht stets Fortschritte. Nun ist es britischen Forschern gelungen, künstliche Nasen und Ohren zu züchten.

Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass die künstlichen Körperteile eines Tages in Massenproduktion gehen und ähnlich wie in einer Fabrik gefertigt werden.

Wie Kuchenbacken

Das Royal Free Hospital in London hat sich darauf spezialisiert künstliche Körperteile wie Nasen und Ohren zu züchten. Alexander Seifalian, Chef der Abteilung, erklärte der ‚Daily Mail‘, dass das Züchten von Körperteilen wie das Kuchenbacken sei.

Um eine Nase zu züchten, braucht Seifalian Salz und Zucker. Die beiden Zutaten gibt er in eine Form. Dies sei wie Kuchenbacken. Für die Fertigstellung werde jedoch eine andere Art von Ofen benötigt.

Seifalian und sein Team züchten aus Stammzellen Nasen, Ohren und Blutgefäße für Menschen. Bisher konnten nur wenige Menschen von den künstlichen Körperteilen profitieren. Einige erhielten Tränenkanäle, Blutgefäße und Luftröhren. Diese Gewebe sind nachdem sie im Körper eingepflanzt wurden nicht sichtbar.

Die Forscher hoffen, dass sie nun bald die erste künstliche Nase verpflanzen können. Ein Patient wurde hierfür bereits ausgewählt.

Patient verlor seine Nase durch Krebs

Ein Brite soll die künstliche Nase bekommen. Seine eigene verlor er durch eine Krebserkrankung. Für die Herstellung einer Nase benötigt Seifalian eine spezielle Maschine, die die Grundform für das Körperteil herstellt. In die Form wird eine Lösung aus Salz und Zucker gegeben, die die Struktur der Nase nachbilden soll. Dadurch entsteht ein Gerüst, das wiederum mit Stammzellen überzogen wird. Die Stammzellen wurden aus dem Fettgewebe des Patienten gezüchtet.

Nase wurde in Arm implantiert

Die neue Nase für den Krebspatienten ist bereits fertig. Sie wurde ihm in den Arm implantiert, damit auf das Körperteil Haut wachsen kann.

Die Züchtung von Körperteilen wurde von Boris Johnson, Bürgermeister von London, bereits Investoren für die britische Gesundheitsbranche vorgestellt. Die Forschungsergebnisse von Seifalian sprechen für sich.

Laut Schätzungen des Wissenschaftlers belaufen sich seine Arbeiten seit 2005 auf Kosten in Höhe von circa zehn Millionen Pfund, was umgerechnet etwa 12,1 Millionen Euro entspricht. Er glaubt jedoch daran, dass ein künstliches Körperteil eines Tages nur wenige Hundert Pfund kosten wird.

Patent für Polymer angemeldet

Das Organgerüst für künstliche Körperteile, wird aus einem Polymer hergestellt. Das Patent für dieses spezielle Material wurde bereits angemeldet. Auch Anträge für künstliche Blutgefäße, Tränenkanäle und Luftröhren laufen bereits.

Neue Körperteile werden bereits entwickelt

Die Forscher entwickeln bereits weitere künstliche Körperteile wie Herzkranzgefäße und Ohren. Die ersten künstlichen Ohren sollen noch in diesem Jahr in Indien und London erprobt werden.

Laut Michelle Griffin, plastische Chirurgin, sind Ohren schwieriger herzustellen als Nasen. Die Konturen müssten stimmen, da die Haut straff gezogen werde und die gesamte Struktur des Ohres zu sehen sei.

Griffin hat im Labor von Alexander Seifalians bereits mehrere Dutzend Ohren und Nasen gezüchtet. Für Kinder, die ohne Ohren geboren wurden, sei die derzeitige Methode zur Behandlung mit sehr aufwendigen Operationen verbunden. Den betroffenen Kindern müsse unter anderem Knorpel aus den Rippen geschnitzt werden, erklärte sie.

Für ein künstliches Ohr hingegen, müssen dem Patienten lediglich Fettzellen entnommen werden, die dann im Labor mit dem Ohrgerüst zusammengebracht werden.

Möglicherweise könnten mit der Lösung aus Zucker und Salz sogar ganze Gesichter künstlich hergestellt werden. Bevor dies geschieht müsse man jedoch sichergehen können, dass die Kunststoffgerüste nicht aus der Haut platzen.

Künstliche Organe herzustellen ist komplizierter

Auch andere Forscher sind an Seifalians Forschungen interessiert. Eileen Gentleman, Stammzellenexpertin vom King’s College London, meint, dass die anderen erst einmal Nasen und Ohren herstellen müssten, bevor sie Organe wie Nieren, Lungen oder die Leber herstellen. Dies sei wesentlich komplizierter.

Mit seiner Arbeit habe Seifalian gezeigt, dass für ein Labororgan möglicherweise gar kein absolut perfektes Gewebe nötig sei. Für die Funktionstüchtigkeit sei die Struktur von größter Bedeutung.

Erlaubnis der Behörden steht noch aus

Seifalian wartet auf die Erlaubnis der Behörden, damit er dem Krebspatienten die implantierte Nase aus dem Unterarm in das Gesicht verpflanzen kann.

Der Wissenschaftler sagte, dass er und sein Team Nasen in verschiedenen Größen herstellen könnten, wenn die Menschen nicht so wählerisch wären. Dann könnte der Chirurg einfach die passende Größe und Zuschnitt für den Patienten auswählen.

Laut Seifalian würden die meisten Menschen jedoch denken, dass ihre Nase individuell und persönlich sei. Für ihn ist sie nur ein Körperteil, das eines Tages in Massen produziert werden kann, wie in einer Fabrik.

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