Alkohol: Die gefährlichste legale Droge der Deutschen

5. April 2014
Alkohol und damit auch Rotwein ist schädlichIst Rotwein tatsächlich als gesund einzustufen?

Nach Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen: Bier. Doch so gern wir unser Nationalgetränk auch trinken, birgt es auch Gefahren: Der Verzehr an Alkohol in größeren Mengen extrem gesundheitsschädigend und immer mehr Studien zeigen die Dramatik der sozialen und ökonomischen Folgen – nicht nur für den Konsumenten selbst, sondern auch für sein Umfeld.

Deutschland ist das Land der Winzer und Brauer, Bier und Wein gehören zur kulinarisch-kulturellen Identität. Sie symbolisieren Geselligkeit und markieren den Beginn vieler Freundschaften und Beziehungen. Gefährlich wird es jedoch, wenn der Konsum ausartet. Dann schadet der Trinker nämlich nicht nur sich seiner eigenen Gesundheit, sondern zieht auch Menschen in seinem Umfeld in Mitleidenschaft.

Alkohol: sozial und ökonomisch schädlich

Alkohol trübt die Sinne und mindert die Wahrnehmung, die Welt wirkt bunter und lustiger. Gar nicht mehr so amüsant ist die Welt aber am morgen danach. Eine Flasche Rotwein oder ein Sixpack Bier sorgen für einen brummenden Schäden und beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit: die typischen Symptome eines Katers also.

Problematisch wird es jedoch, wenn Menschen im Umfeld unter der getrübten und gereizten Stimmung mit leiden müssen. Sei es der Partner oder die Kinder, die grundlos angeschnauzt werden oder die Kollegen, denen aufgrund der eigenen geistigen Verfassung mehr Arbeit aufgebirgt wird. Den Auswirkungen legaler Drogen auf Menschen, die sie nicht selbst nehmen, wird hierzulande zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ausnahme stellt der Passivkonsum von Tabak dar, der in den letzten Jahren Kern vieler hitziger Diskussionen war und ein Rauchverbot in den meisten Restaurants und Bars durchgesetzt hat. Den gesellschaftlichen Folgen anderer legaler Drogen, wie Alkohol, wird bis dato leider weitaus weniger Beachtung geschenkt. Immerhin will die epidemiologische Suchtsurvey, die alle drei Jahre den Status quo der Drogensituation in Deutschland erfasst, 2015 erstmals auch die Folgen eines erhöhten Konsums von Alkohol auf das Umfeld erfassen.

Ein Drittel aller Gewalttaten passieren unter Alkoholeinfluss

Genug handfeste Beweise für die Mitleidenschaft anderer Menschen gibt es längst. Laut aktueller Polizeilicher Kriminalstatistik ist ein Drittel aller gewalttätigen Delikte auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Bei schweren Körperverletzungen liegt der Anteil mit 35 Prozent sogar noch etwas höher.  Dabei ist dieses Leidenspotenzial längst amtlich. Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik ordnet ein knappes Drittel aller gewaltkriminellen Delikte dem Alkoholeinfluss zu. Mit 35 Prozent noch etwas höher ist der Anteil des Alkohols bei Fällen von schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Erschreckend sind die Zahlen bei Autounfällen: Jeder zehntes Verkehrsdelikt mit Todesfolge ist einem signifikant erhöhtem Promillewert zuzuordnen. „Alkohol prägt die Tatbegehung weiterhin in erheblichem Umfang“ schlussfolgern die Autoren des Berichtes.

Auch Arbeitgeber spüren Folgen der Alkoholsucht

Ein regelmäßig erhöhter Alkoholkonsum steigert die Aggressivität und die körperliche sowie seelische Gewalt. Fast jeder zweite Akt der Gewalt im häuslichen Rahmen wird an Alkohol gekoppelt, schreibt die Zeit. „Die Dunkelziffer wird“ sogar noch deutlich höher „eingeschätzt, weil viele Betroffene – meist Frauen und Kinder – keine Hilfe suchen.“Doch nicht nur die Menschen im direkten persönlichen Umfeld sind betroffen, auch Arbeitgeber spüren die Folgen von Alkoholabhängigkeit. Einer Hochrechnung der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge arbeiten Alkoholabhängige sowie Gelegenheitstrinker deutlich weniger als abstinente Kollegen. So fehlten 2012 Alkoholkranke an 1,8 Millionen Arbeitstagen, schreibt die TK.

Pharmakologe Rainer Spanagel vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit sieht besonders bei der Jugend zentralen Bedarf nach Aufklärung. „Das zunehmende k.-o.-Trinken unter Heranwachsenden ist ein Phänomen, das es bisher so nicht gegeben hat“, sagt der Wissenschaftler. Unter Erwachsenen kommt hinzu, dass Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist, Alkoholiker hingegen diskriminiert werden. Laut Spanagel ein großer Fehler, den Alkoholabhängigkeit ist eine ernstzunehmende psychische Erkrankung.

Ob und inwiefern sich der Umgang und die Aufklärung in Bezug auf Alkohol ändern wird, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – die Alkohllobby ist stark, es wird definitiv kein leichter Kampf werden, so viel ist sicher.

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