Sind tierische Fette doch nicht ungesund?

4. April 2014
Ernährung, PutenfleischErnährung

Ärzte und Ernährungsberater waren sich bisher stets einig, dass man tierische Fette nur in geringen Mengen zu sich nehmen sollte und bevorzugt zu pflanzlichen Fetten greifen sollte.

Einer Studie zufolge gibt es keinen Hinweis darauf, dass gesättigte Fettsäuren aus tierischen Fetten das Risiko für koronare Herzerkrankungen erhöhen.

Ist fettarme Ernährung gesund?

Ernährungsexperten raten dazu, sich möglichst fettarm zu ernähren. Man solle nur wenig tierische Fette zu sich nehmen, um sein Herz und die Gefäße gesund zu erhalten. Gesättigte Fettsäuren aus tierischen Produkten wie Butter, Käse, Sahne und rotem Fleisch standen in Verdacht, das Risiko für verschiedene Erkrankungen deutlich zu erhöhen. Dementsprechend wurde dazu geraten, bevorzugt ungesättigte Fettsäuren, wie sie Margarine oder Olivenöl enthalten sind, zu verzehren.

Rijiv Chowdhury von der Cambridge Universität in Großbritannien und sein Forscherteam haben nun herausgefunden, dass es keine Rolle für die Entstehung von koronaren Herzkrankheiten spielt, ob man einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu sich aufnimmt.

Sogenannte Transfette hingegen können das Risiko für Herzerkrankungen begünstigen. Die Ergebnisse zu der Studie wurden im Fachmagazin ‚Annals of Internal Medicine‘ veröffentlicht.

Verschiedene Fette schützen das Herz

In die Analyse wurden 76 Studien mit über 600.000 Teilnehmern einbezogen. Die neue Studie zählt zu den umfangreichsten Untersuchungen, die den Einfluss der verschiedenen Fettsäuren auf das Risiko von Herzerkrankungen untersuchte.

Die Autoren sind sich einig, dass die offiziellen Ernährungsempfehlungen bezüglich des Fettverzehrs nicht allgemeingültig sind. Es konnte kein Hinweis darauf gefunden werden, dass gesättigte Fettsäuren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Die sogenannte Margarinsäure ist eine gesättigte Fettsäure, die in Milch und Milchprodukten vorkommt. Sie soll sogar als Herzschutz dienen.

Omega-3-Fettsäure Kapseln haben kaum eine Wirkung

Aus der Studie ging hervor, dass Transfettsäuren gemieden werden sollten, da sie Herzerkrankungen begünstigen können. Diese Fettsäuren entstehen beim Frittieren. Sie stecken zum Beispiel in Pommes. Transfettsäuren entstehen außerdem bei der industriellen Teilhärtung von pflanzlichen Fetten.

Um ihre Herzgesundheit und die Blutwerte zu verbessern, greifen viele Menschen zu Omega-3-Fettsäure Kapseln. Sie sollen außerdem dazu in der Lage sein, das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Typ 2 Diabetes zu reduzieren.

Chowdbury hat durch die Auswertung verschiedener Studien herausgefunden, dass die Fettsäuren in Kapseln bei über 100.000 Teilnehmern keine signifikante Auswirkung auf die koronare Herzkrankheit hatte.

Müssen die Ernährungsempfehlungen überarbeitet werden?

Die Forscher teilten auf der Webseite der Universität mit, dass die neuen Erkenntnisse verschiedene Inhalte der aktuellen Behandlungsleitlinien in Frage stellen.

Bei vielen Menschen, die von kardiovaskulären Erkrankungen betroffenen sind, sei es wichtig, dass für sie geeignete Präventionsleitlinien zur Verfügung stünden, die auf bestmöglicher Evidenz beruhen.

Weiter hieß es, dass eine abschließende Bewertung der Ergebnisse noch zu früh sei. Dafür seien weitere Studien nötig. Dennoch meinen die Forscher, dass die aktuellen Ernährungsempfehlungen in Frage gestellt werden müssen und einer Überarbeitung der derzeitigen Richtlinien angeraten sei.

Fett: Gesund oder ungesund?

Die Meta-Analyse hat die Britisch Heart Foundation in Auftrag gegeben. Sie bleibt mit ihren Aussagen eher zurückhaltend. Die Analyse würde die bisherigen Ernährungsempfehlungen nicht untermauern, aber sie auch nicht widerlegen.

Einige Mediziner warnen davor, die aktuellen Ernährungsempfehlungen nun außer Acht zu lassen. Immer mehr Menschen erkranken an Adipositas und Diabetes. Dadurch sei es kontraproduktiv das Thema Ernährung als Krankheitsursache und als vorbeugende Maßnahme keine Beachtung zu schenken.

Für Dr. Nicolai Worm, Ernährungswissenschaftler aus München, waren die Ergebnisse der Meta-Analyse nicht überraschend. Er meint, dass man den Menschen sagen müsse, dass Fett zu Unrecht als ungesund abgewertet wurde. Fett enthalte lebenswichtige Stoffe wie Vitamine, essentielle Fettsäuren, Geschmack und Aroma. Dem fügte er noch hinzu, dass es satt machen würde.

Was sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung oder kurz DGE hält an ihren aktuellen Ernährungsempfehlungen fest. Man solle viel Gemüse, viele Getreideprodukte, möglichst aus Vollkorn verzehren und Fett in äußerst geringen Mengen zu sich nehmen. Vor allem wird vor gesättigten Fettsäuren gewarnt.

Im November 2013 wurde einer von zehn Regeln zur gesunden Ernährung überarbeitet. Es hieß, dass zu viele gesättigte Fettsäuren das Risiko für Fettstoffwechselstörungen begünstigen, wodurch wiederum Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen könnten. Ferner wurde von der DGE darauf hingewiesen, dass man bevorzugt pflanzliche Öle und Fette, wie Raps- und Sojaäl und daraus hergestellte Streichfette verzehren solle.

 

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