Handy warnt vor Heuschnupffallen

27. März 2014
Stevia süß und schmacklhaftStevia ist viel süßer als Zucker, ist es aber auch schädlich?

Die Temperaturen steigen an und die ersten Sonnenstrahlen kommen hinter den Wolken hervor. Langsam, aber sicher schleicht sich der Frühling ins Land – und mit ihm nicht nur das schöne Wetter, sondern auch die blühende Natur, zum Leid eines jeden Allergikers. Eine Frühwarn-App soll nun dabei helfen, den Pollen rechtzeitig auszuweichen.

Die milden Temperaturen der letzten Wochen und Tage erfreuen die Gemüter der Menschen – jedoch nicht die der Allergiker, denn für sie leitet der Wetterumschwung wie jedes Jahr den Beginn ihrer Leidenszeit ein. „Die Pollensaison ist in diesem Jahr besonders früh gestartet“, weiß Allergologe Karl-Christian Bergmann, Leiter der allergologisch-pneumologischen Ambulanz am Allergie Centrum der Berliner Charité. Bereits zur Weihnachtszeit Mitte Dezember sind die ersten Haselnusspollen geflogen, dabei beginnt die Allergiesaison üblicherweise erst im Februar und März. Und für diese Woche ist laut Polleninformationsdienst auch schon der Beginn der Birkenpollen angekündigt.

Birkenpollen häufigster Auslöser für Allergie

Die Birkenpollen werden bis Mitte Juni durch die Luft wirbeln und ihr Unwesen im Immunsystem der Allergiker treiben. Die gelbgrünen länglichen Pflanzenteile sind die wohl bekanntesten Auslöser für Heuschnupfen, viele Menschen reagieren mit Nasenjucken, Niesattacken, Schnupfen und roten tränenden Augen. Für Betroffene kann frühstens ab Mitte September, wenn auch die Zeit der Beifuß-und Ambrosiapollen endgültig vorbei ist, Entwarnung ausgesprochen werden.

Dach der Charité Hautklinik als Pollen-Messstation

Es ist nicht selbstverständlich, dass man genau weiß, wann welche Polle Saison hat. „Zum ersten Mal bieten wir in diesem Jahr für die wichtigsten Pollenarten eine aktuelle Berechnung des voraussichtlichen Beginns des Pollenflugs an“, erklärt Bergmann in einer Pressekonferenz. Bergmann ist ebenfalls Leiter der Stiftung Polleninformationsdienst, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Polenbestand zu messen und entsprechende Prognosen für Betroffene herauszugeben. An circa 45 Messstationen, darunter auch auf dem Dach der Charité Hautklinik, wird ganzjährig der aktuelle Pollenflug gemessen und analysiert.

Handy als Allergologe

Wie es im Zeitalter der Informationsgesellschaft auch nicht anders zu erwarten wäre, wurde nun eine Pollen-App für Smartphones entwickelt. Durch Eingabe der Postleizahl ortet Programm den Smartphone-User in Deutschland, Österreich und Frankreich und liefert ihm eine individuelle Vorhersage für die kommenden Tage in seiner Region.

Die App warnt nicht nur vor kritischen Pollentagen, sondern gibt auch hilfreiche Tipps – wie tägliches Haarewaschen, um auch das nächtliche Kopfkissen pollenfrei zu halten. Auch spricht sie Warnungen aus, wenn es angemessen wäre, schützende Allergie-Medikamente zu nehmen. Diese sogenannten Antihistaminika hemmen das körpereigene Histamin, das an den Immunreaktionen beteiligt ist und die unerwünschten Symptome in Hals-Nasen-Rachenraum auslöst.

Erinnerungsservice für den Arztbesuch

Gegen bestimmte Allergene ist es möglich eine Desensibilisierung durchzuführen. Hierbei werden dem Körper die Antigene der Pollen in sehr geringen Dosen verabreicht und das Immunsystem somit langsam an die Stoffe herangeführt. „Die Pollen-App bietet auf Wunsch auch einen Erinnerungsservice, damit man den Arztbesuch im Herbst nicht verpasst“, erklärt Katharina Bastl von der Universität Wien, die maßgeblich an der Entwicklung der App beteiligt war.

Löst die App eine neue Epoche der Hypochondrie aus?

Fast 30 Prozent der deutschen Bevölkerung reagiert Stichprobenuntersuchungen zu folge sensibel auf bestimmte Pollenarten. „Das heißt allerdings nicht, dass sie alle krank werden“, betont Karl-Christian Bergmann. Jedoch ist in den letzten Jahren , durch Klimawandel und steigende hygienische Penibilität ein deutlicher Anstieg der Zahl der Erkrankten festzustellen. So spannend wie die neue Smartphone-App auch sein mag, wirft sie trotzdem die Frage auf, ob sie wirklich nur hilfreich sein wird. Nicht, dass jetzt diverse Smartphonebesitzer durch steigende Nervosität zu überängstlichen Pollenhypochonder werden.

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