Ist Alkohol vielleicht doch gesund?

6. März 2014
Alkohol und damit auch Rotwein ist schädlichIst Rotwein tatsächlich als gesund einzustufen?

Er schädigt die Leber, die Nervenzellen und fördert die Entstehung vieler Krankheiten: Alkohol – aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Wirkungen oft verteufelt. Doch vielleicht kann er sogar das Sterberisiko senken. Das zumindest suggeriert eine aktuelle Studie aus Potsdam.

Die EPIC-Studie ist einer der weltweit größten Bevölkerungsstudien. Mehr als 380.000 Menschen europaweit wurden über Jahre hinweg regelmäßig befragt und medizinisch untersucht. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam hat nun die Daten in Hinsicht auf das Trinkverhalten  analysiert und kam zu spannenden Ergebnissen.

 

 

 

Durch Alkohol verringertes Sterberisiko

Die Teilnehmer im Alter von 35 – 65 mussten angeben wann und wie oft sie alkoholische Getränke zu sich nehmen. Die erhobenen Daten wurden in komplizierten epidemiologischen Verfahren ausgewertet. Sie zeigen, dass Menschen die ihr Leben lang, Alkohol in gewissen Maßen konsumierten, generell ein geringeres Sterberisiko hatten. Und zwar nicht nur im Vergleich zu Vieltrinkern, sondern auch zu Menschen, die nur sehr selten trinken. Dies machte sich besonders in Hinblick auf Todesfälle durch Herz -Kreislauferkrankungen bemerkbar.

„Frauen, die seit ihrem 20. Lebensjahr nicht mehr als ein Glas pro Tag, und Männer, die nicht mehr als zwei Gläser pro Tag tranken, hatten sie das niedrigste Sterberisiko“, so Dr. Manuela Bergmann, die Studienleiterin gegenüber dem hessischen Rundfunk.

Alkohol trotzdem gefährlich

So interessant die Ergebnisse der EPIC-Studie auch sind, sollten jedoch keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, warnt Alkoholforscher Prof. Helmut Seitz aus Heidelberg. „Ich arbeite jetzt seit über 30 Jahren in der Alkoholforschung und ehrlich gesagt, habe ich es satt, dass immer wieder Studien herauskommen, die zeigen wollen, dass Alkohol unter diesen und jenen Voraussetzungen gar gesund bzw. unschädlich sein soll. Wer kennt schon seine genetischen Veranlagungen, Erkrankungen zu entwickeln. Keiner! Das ist alles Quatsch, jedes Alkoholmolekül schädigt unsere Zellen, und das immer und bei jedem Menschen.“

Alkohol fördert gefährliche Radikale

Trinkt man Alkohol, gelangt dieser über den Verdauungstrakt in die Blutbahn und verteilt sich aufgrund seiner guten Löslichkeit im gesamten Körper. Durch chemische Abbaureaktionen entstehen  freie Radikale – schädliche Substanzen, die die DNA und wichtige Eiweiße angreifen. Der menschliche Körper ist zwar in der Lage, die entstehenden Schäden zu reparieren, aber nur wenn der Alkoholkonsum nicht zu groß ist.

Das Märchen vom Rotwein

Rotwein wird nachgesagt, dass er viele Antioxidantien besitzt, die die schädlichen Radikale abfangen. Prof Dr. Seitz entkräftet diese These jedoch: „Da muss man sagen, das ist leider ein weit verbreiteter Mythos, wenn man bedenkt, dass Alkohol per se schon oxidativen Stress macht, dann reichen diese Anti-Oxidantien im Rotwein gar nicht aus um diesen Effekt zu kompensieren.“

Alkohol fördert sogar die Entstehung von über 60 verschiedenen Krankheiten. Besonders die Leber, als alkoholabbauendes Organ, ist gefährdet. Auch Krebserkrankungen, Bluthochdruck oder schädliche Entzündungen des Pankreas können durch zu hohen Alkoholkonsum entstehen.

Wieso sinkt die Sterberate in der Studie?

„Unsere Studie hat gezeigt, dass nur gesunde Menschen ein vermindertes Sterbe-Risiko hatten. Wir gehen also davon aus, dass nur gesunde Menschen moderate Mengen von Alkohol ohne nachteilige Folgen verkraften, also zum Beispiel die die Sport machen, sich gesund ernähren und wenig Stress haben. Wir denken, dass eine gesunde Lebensweise, aber nicht der Alkohol selbst die Ursache für ihre Gesundheit ist“, erklärt Dr. Manuela Bergmann. Es ist also nicht der Alkohol direkt, der zu der verringerten Sterberate führt,  sondern eher der allgemein gesunde Lebensstil, derer die den Alkohol in moderatem Maße genießen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät als Tageshöchstdosis für Männer 20 Gramm Alkohol, was in etwa einem großem Bier oder 200 Milliliter Wein entspricht. Frauen können Alkohol schlechter abbauen, für sie liegt die  täglich maximal tolerierbare Menge bei 10 Gramm, was äquivalent zu einem kleinen 100 Milliliter Glas Wein ist.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie


Ein Kommentar zu diesem Artikel bisher »

Kommentare zu »Ist Alkohol vielleicht doch gesund?«

  1. […] auf zahlreiche Falschangaben gestoßen. Es wurden zum Beispiel bei vielen Patienten die Alkoholkarenzzeiten nicht überprüft. Auch bei den Untersuchungen sollen zahlreiche Fehler unterlaufen sein. Symptome wurden nicht […]

Kommentieren

Erlaubtes XHTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>