Gewichtsverlust bei Krebspatienten stoppen

28. Februar 2014
larvierte DepressionDepression im Alter oft unerkannt

Bei etwa jedem zweiten Todesfall durch Krebs erliegen die Patienten nicht dem Tumor an sich, sondern den Folgeerscheinungen und der körperlichen Auszehrung, die durch ihn entstehen. Die Patienten bauen immer mehr Fett ab, verlieren wichtige Muskelmasse. Bisher gab es keine Möglichkeit dem Gewichtsverlust entgegenzuwirken. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie lassen Hoffnung aufkommen.

 Ob Speiseröhre, Magen-, Leber-, oder Dickdarm, besonders bei Krebserkrankungen des Verdauungstraktes nehmen die Patienten oft sehr wenig oder nur schwerbedingt Nahrung auf. Der Körper muss auf seine eigenen Energiereserven zurückgreifen und baut folglich Muskelmasse und Fettgewebe ab. Die Patienten verlieren schnell Gewicht.

Tumor-Kachexie: Auszehrung des Körpers

Der kontinuierliche Abbau von körpereigenen Energiereserven und die dadurch zunehmende Schwächegefühl und Müdigkeit bei Krebpatienten wird auch als Tumor-Kachexie bezeichnet. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft leiden 40 Prozent der Krebskranken an Magersucht, 60 Prozent unter Völlegefühl, 40–60 Prozent unter vorzeitigem Sättigungsgefühl, 41 Prozent unter Mundtrockenheit oder Übelkeit und etwa jeder vierte Patient muss regelmäßg erbrechen. Alles Gründe dafür, dass Tumor-Patienten weniger Essen zu sich nehmen als ihr Körper eigentlich benötigt, daher Gewicht verlieren, und das Risiko für eine Kachexie steigt.

Kein Medikament gegen Tumor-Kachexie

Bisher gibt es kein zugelassenes Medikament, das in der Lage ist, die körperliche Auszehrung von Krebspatienten aufzuhalten. Besonders bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist dies fatal, denn „bis zu 70 Prozent aller Patienten enden mit einer Kachexie und sterben dann am Ende nicht wirklich am Tumor, sondern daran, dass sie einfach so viel Energie verlieren und das nicht mehr aufhaltbar ist“, weiß Prof. Dr. Stephan Herzig vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Der Molekularbiologe erklärt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk weiterhin, dass der Körper in eine katabole Stoffwechsellage versetzt wird. Diese kennzeichnet sich vor allen durch den „Verlust von Muskelmasse und Fettmasse. Die Patienten verlieren substanziell an Energiespeicher.“

Stoffwechsel durch Tumore katabol

Tumore zeichnen sich nicht nur durch ungehemmtes Zellwachstum, sondern auch durch gesteigerte Entzündungen aus. Der Körper der Betroffenen produziert große Mengen an bestimmten Botenstoffen, sogenannten Cytokinen. Beide Prozesse beeinflussen den Stoffwechsel vehement und polen in regelrecht um – von anabol zu katabol.

Neuentdecktes Molekül als möglicher Ausweg?

Auf einem Workshop der Deutschen Krebsgesellschaft berichtet der Biologe, dass er und seine Kollegen eventuell ein Peptid entdeckt haben, das die Kachexie und den Fettabbau stoppen kann – zumindest im Tierversuch. „Wir haben ein Molekül entwickelt, mit dem wir verhindern können, dass Fett abgebaut wird. Und wenn wir dieses Molekül spritzen oder Tieren geben, die einen Tumor tragen, die eine Kachexie bekommen würden, dann behalten die ihr Fettgewebe. Während nach dem Ablauf des Experiments letztlich alle Kontrolltiere an der Kachexie verstorben sind, sind bei denjenigen die aufgrund unserer Behandlung mehr Fettgewebe haben noch mehr als die Hälfte am Leben.“

Molekül heilt nicht den Tumor, aber spendet mehr Zeit

Bei dem genannten Molekül handelt es sich um ein Peptid, also einen kleine Eiweißbaustein, der bestimmte Körperenzyme aktiviert, deren Funktion zuvor durch den Tumor gestört war. „Das heilt natürlich nicht den Tumor, sondern das sorgt dafür, dass in dem Fall die Tiere länger leben. Und dass man vielleicht eine größere Chance hat und ein größeres Zeitfenster gewinnt, den Tumor dann zu behandeln.“

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Kommentare zu »Gewichtsverlust bei Krebspatienten stoppen«

  1. […] Ein Forscherteam der Universität Göteborg hat eine Früherkennungsmethode entwickelt, mit der es möglich sein soll, die Vorläufersymptome von Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer Sicherheit von 97 Prozent zu erkennen. Der Krebs könnte dementsprechend im Frühstadium behandelt oder sogar gestoppt werden. […]

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