Computerspiel für bessere Augen

24. Februar 2014
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Vor dem Computer sitzen und die Sehkraft der Augen trainieren? Was wie Science Fiction klingt, könnte bald schon Realität sein: Ein kalifornischer Wissenschaftler hat ein Sehtrainingsprogramm entwickelt, das die Augen und das neuronale Sehzentrum stärkt.

Die kalifornische Baseballmannschaft der University of California feierte in der vergangenen Saison deutlich mehr Erfolge als in vorangegangenen Spielphasen. Zu verdanken ist dies teilweise Aaron Seitz. Wenn die Sehkraft nachlässt, werden „nicht die Augen schlechter“, sondern es kommt zu Veränderungen im Gehirn, erklärt der kalifornische Hirnforscher. Er hat ein spezielles Computerprogramm entwickelt, das das neuronale Sehzentrum schulen soll. 19 Spieler der kalifornischen Baseballmannschaft durften als erste das neuartige Programm testen.

Bessere Sehkraft per Mausklick?

Seit rund 15 Jahren erforscht Aaron Seitz die grundlegenden Prozesse des Sehens und die Verarbeitung und Interpretation der durch die Augen registrierten Information im Gehirn. In einer Art Computerspiel sollten die Versuchsteilnehmer auf einem Monitor Bildmuster so schnell wie möglich identifizieren. 45 Minuten vier Mal die Woche unterzogen sich die 19 Baseballspieler zwei Monate lang dem digitalen Sehtraining.

Ergebnis: schärferer Blick

Wie die in der Februarausgabe des Fachmagazins „Current Biology“ beschrieben, zeigte das Training Wirkung: „Besonders überraschend war das Ausmaß der Veränderung. Wir haben die Spieler mit standardisierten Sehtafeln getestet. Man steht sechs Meter von der Tafel entfernt und muss die Linie mit der kleinsten Schriftgröße vorlesen, die man noch erkennen kann. Nach dem zweimonatigen Training konnten die Spieler Schriften erkennen, die zwei Stufen kleiner waren als zuvor. Weitere Tests zeigten, dass sie auch im Erkennen schwacher Kontraste besser abschnitten.“

Bessere Augen, besseres Spiel

Nicht nur die Sehkraft der Spieler verbesserte sich im Verlauf der zwei Monate, auch ihre Erfolge auf dem Spielfeld änderten sich zum Positiven. „Die Spieler sagen, sie konnten den Ball im Spiel besser erkennen und Dinge bei schwachem Licht besser sehen“, erklärt Aaron Seitz. Im Vergleich zum Durchschnitt aller Baseball-Spieler der Saison lagen die Spieler vorn, was nicht zu letzt auf ihr intensives Sehtraining zurückzuführen ist.

Größere Versuchsgruppe nötig

So verblüffend wie die Ergebnisse des Experiments auch sind, so sind sie doch mit Vorsicht zu betrachten. Denn eine Versuchsgruppe von 19 Teilnehmern ist aus statistischer Sicht zu klein, um verlässliche Ergebnisse zu liefern. „Jedes wissenschaftliche Ergebnis, das auf kleinen Versuchsteilnehmerzahlen basiert, wirft Fragen auf. Wir müssen die Versuche nun mit mehr Spielern fortsetzen, um anhand besserer Daten sicherzustellen, dass unsere Ergebnisse korrekt sind.“

Möglicher Therapieansatz für Sehschwächen

Zukünftig will Aaron Seitz seine Methode nicht nur an Sportlern, sondern auch an Patienten testen, die an Sehschwächen leiden. Im Laufe des Lebens verändern sich die Augen, das menschliche Gehirn ist jedoch zu unflexibel, um sich den Änderungen anzupassen. Laut Seitz entstehen folglich Sehschwächen, die sich durch spezielle computergesteuerte Computerprogramme beheben lassen.

„Dass unsere Sehkraft mit dem Alter schlechter wird, hängt auch mit einer mangelnden Plastizität des Gehirns zusammen. Unser Trainingsprogramm setzt an Stellen an, von denen wir wissen, dass das visuelle System eines Erwachsenen dort noch anpassungsfähig ist. Wir versuchen Methoden zu entwickeln, die auf das Gehirn so einwirken, dass es Veränderungen des Sehens kompensieren kann. Ich denke, dass in 10 oder 20 Jahren solche Sehtrainings fürs Gehirn genauso populär sein werden wie Fitnessübungen fürs Körpertraining.“

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