Neue Gefahr durch resistente Keime

18. Februar 2014
Grippe 2014Impfung gegen Grippe-Virus 2014

Antibiotika-resistente Keime werden ein immer größeres Problem in der Medizin. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 15.000 Menschen an Infektionen durch die Krankheitserreger. Wirksame Antibiotika gibt es bisher noch nicht.

Bakterien, die sich nicht mehr durch Antibiotika hemmen oder abtöten lassen, sind eine neue medizinische Gefahren. Die sogenannten resistenten Keime kosten nicht nur viele Menschenleben, sondern stellen auch Wissenschaftler vor große Herausforderungen. Es gibt bisher keine wirksamen Medikamente gegen sie. In eimem Interview mit dem NDR erklärt der Internist Dr.med. Dominik Wichmann“als Arzt habe man die Profession anderen zu helfen“. Wenn diese jedoch mit resistenten Keimen infiziert sind, ist es furchtbar und trifft einen persönlich, da es keine wirksamen Mittel gibt, um zu helfen.“

In 20 Prozent der Fälle bleibt Keim unerkannt

In der Hamburger Uniklinik sterben jährlich 500 Patienten an Infektionen durch resistente Keime. In 20 Prozent der Fälle können die zuständigen Mikrobiologen und Ärzte die Keime gar nicht erst identifizieren. Wenn sie diese  finden, kann es bis zu zwei Tage dauern, bis vollständig geprüft ist, ob eins der bekannten Antibiotika helfen könnte. Zwei Tage, die den schwerkranken Patienten an Therapie fehlen und oft zu Todesfällen führen.

Warum forschen so wenige Pharmakonzerne an neuen Antibiotika?

Den Ernst der Lage betrachtet, stellt sich die Frage, warum kaum ein Pharmakonzern versucht neue Antibiotika zu entwickeln? Auf dem Bayergelände in Wuppertal befindet sich das einzige deutsche Unternehmen, das noch an der Entwicklung neuer Antibiotika forscht. Geschäftsführerin Prof. Dr. Rübsamen-Schaeff erklärt, „im Vergleich zu anderen Medikamenten lohnt sich für Pharmaunternehmen die finanzielle Investition in die Antibiotikaforschung nicht“. Während Dauermedikamente wie zum Beispiel bei Diabetes über Jahre eingenommen werden, beträgt die Antibiotikabehandlung in der Regel nicht länger als 14 Tage. Zudem ist die Antibiotikaforschung sehr aufwendig, langwierig und kostenintensiv, sodass es sich für profitorientierte Unternehmen nicht rechnet.

Staatliche Unterstützung nötig, um Forschung zu fördern

Laut Prof. Dr. Rübsamen-Schaeff  ist weltweit ein Umdenken nötig, um die Pharmaindustrie dazu zu bewegen, wieder in die Antibiotikaforschung einzusteigen. „Der Wert eines modernen resistenzbrechenden Antibiotika muss erkannt werden. Außerdem müssen sowohl Staaten als auch die Behörden müssen die Industrie bei der aufwendigen Forschung unterstützen.“

Suche nach Breitbandantibiotika

Die Wissenschaftler rund um Rübensame-Schaeff forschen an sogenannten Breitbandantibiotika, die nicht nur gegen einen einzelnen resistenten Keim, sondern eine Vielzahl verschiedener wirken sollen. Die Suche ist schwer, und selbst wenn ein Wirkstoff entdeckt wird, kann es Jahre dauern, bis er als Medikament auf dem Markt erhältlich ist. Neben vielen Testläufen im Labor müssen Humanstudien durchgeführt werden, die fünf bis zehn Jahre dauern können.

Bateriophagen als Waffe gegen resistente Bakterien?

Viren, die Bakterien angreifen, werden als Bakteriophagen oder kurz Phagen bezeichnet. Obwohl sie die natürlichen Feinde von Bakterien darstellen, ist die Erforschung und Herstellung von Phagenpräparaten in der Therapie in Deutschland und den USA kaum angewendet. Anders in Georgien und Polen, wo man Phagencocktails für die Behandlung verschiedener bakterieller Infekte auch heute in der Apotheke bekommen kann. Dass die Phagentherapie hier zu Lande noch nicht routinemäßig zum Einsatz kommt, liegt zum einen an mangelnden aussagekräftigen Studien. Zum anderen daran das Bakteriophagen aus juristuscher Sicht schwer einzuodnen sind, schreiben Isabelle Huys und andere belgische Forscher vom Department of Pharmaceutical und Pharmacological Sciences an der Universität Leuwen. Es ist unklar, ob sie zu biologischesn Arzneimitteln wie Impfstoffe oder zu Arzneimitteln für neuartige Therapien zählen.

Möglicher Durchbruch: Acyldepsipeptide

Neue Hoffnung im Kampf gegen resistente Keime liefern die Ergebnisse einer im November 2013 veröffentlichten Studie aus Boston. Die Wissenschaftler um Kim Lewis von der Northeastern Universität beschäftigten sich mit der Substanz Acyldepsipeptide und fanden heraus, das diese in Kombination mit konventionellen Antibiotika Bakterien in großem Maße abtötet. Es bringt die Erreger dazu sich gegenseitig zu zerstören. „Wir beschlossen, das Mittel mit konventionellen Antibiotika zu verbinden, um die Ausbreitung von resistenten Zellen aufzuhalten“, sagt Studienleiter Lewis. Die Kombination habe die Bakterien in einer Petri-Schale und in infizierten Mäusen „völlig sterilisiert“. Nun wird in Kooperation mit einem Biotech-Unternehmen an der Entwicklung eines Medikamentes gearbeitet.

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